Gartenarbeit: Die Entscheidung, was leben darf

Pfarrer Jürgen Hoffmann

Jürgen Hoffmann ist Pfarrer der evangelischen Tersteegen-Kirchengemeinde in Düsseldorf. Ich freue mich, dass ich einen seiner spirituellen Impulse als monatlichen Beitrag für die Rubrik “An(ge)dacht” verwenden darf.

Die Entscheidung für die Gartenarbeit traf meine Frau – und widmete sich unserem Apfelbaum, der gerade zu blühen beginnt.

Sie hat den “grüneren” Daumen von uns beiden. Aber untätig wollte ich nun auch nicht sein und im Garten gibt es gerade jetzt einiges zu tun. Und so nahm ich mir “den Dschungel” vor, meine Bezeichnung für dieses Stück Garten, das so ganz im Abseits liegt – und wo das, was wachsen will, einfach wächst – natürlich mit dem unschönen Ergebnis, das sich Brombeeren ausbreiten, Ahorn und Buchen Wurzeln schlagen und nach dem bisschen Licht drängen, das diesen Winkel noch erreicht. Wir hatten vieles versucht, aber Johannisbeeren, Stachelbeeren oder Kartoffeln – nichts wollte wirklich hier richtig wachsen oder gar “reiche Frucht” bringen (wie Jesus das vielleicht genannt hätte).

Garten
Was darf bleiben? Was muss sterben?
Foto: Achim Beiermann

Es fällt mir nicht schwer, die Brombeerruten abzuschneiden, die wild gewuchert sind. Auch die kleinen Buchen und Ahorne reiße ich aus. Ausreißen, Abschneiden – gerade merke ich, dass ich darüber entscheide, was bleiben darf und also (über-) leben kann und was durch mich sterben wird.

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Hier im “Dschungel” verstehe ich, dass alles, was den Keim des Lebens in sich trägt, zu eben diesem Leben drängt, alle Energie in ein winziges Samenkorn legt, um dann Wurzeln zu bilden, sich in der Erde zu verankern, sich dem Licht entgegenzustrecken und einen Trieb Richtung Himmel zu schicken.

“Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.” Mit diesem Satz bezeichnete Albert Schweitzer (1875-1965) den zentralen Lebenskonflikt zwischen Mensch und Natur. Und so lehrt mich gerade der vergessene Teil unseres Gartens etwas über das Leben. Aber auch über mich, der ich entscheide, was bleiben darf und was nicht.

Am Ende des Tages habe ich einiges geschafft. Der Dschungel hat sich gelichtet. Aber ist es wirklich besser so?

Ich ahne: das Leben wird sich seinen Weg von Neuem suchen. Immer wieder. Und das hat etwas Tröstliches.

Haben Sie einen Garten oder einen Balkon und lieben Sie Grün?
Jetzt ist eine gute Zeit, etwas über das Leben zu lernen – oder sich einfach an Gottes Schöpfung zu freuen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Mai!