Vom Kamel und dem Nadelöhr

Pfarrer Jürgen Hoffmann

Jürgen Hoffmann ist Pfarrer der evangelischen Tersteegen-Kirchengemeinde in Düsseldorf. Ich freue mich, dass ich einen seiner spirituellen Impulse als monatlichen Beitrag für die Rubrik “An(ge)dacht” verwenden darf.

“Wie eng ist die Pforte und wie schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind’s , die ihn finden.” (Matthäusevangelium, 7, 14) 

Es gibt sie noch, diese strengen Worte, die zur Entscheidung drängen, zur Umkehr rufen und das geradezu bildlich tun.

Der schmale Weg, die enge Pforte – die Optionen für das ewige Leben oder überhaupt für ein christliches Leben sind irgendwie nicht für die große Masse gedacht und gemacht. Da steckt immer auch ein Moment von “Scheitern können”, aber auch “berufen sein” mit drin.

“Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt,” sagt Jesus einmal.

Foto: Pixabay/Inden

Jetzt gibt es eigentlich nur zwei Optionen:

Entweder man glaubt den Worten Jesu und entscheidet sich, fortan ein Leben auf dem “schmalen Weg” zu führen. Oder man spült die Worte von Jesus bis zur Unkenntlichkeit weich. Dann sind sie eigentlich nicht mehr als Worte Jesu erkennbar – dafür passen sie aber zu uns. Wir neigen dazu, den Spitzensätzen Jesu die Spitze abzubrechen, weil die Botschaft ja kaum auszuhalten und zu ertragen ist!

“Du kommst hier nicht (so einfach) rein!” Und zugegeben, davon kann ich mich auch nicht wirklich freimachen. 

Was Jesus macht? 

Jesus redet Klartext. Er konfrontiert seine Zuhörer mit seiner Botschaft – und dann auch mit sich selbst.

In der Begegnung mit ihm wird man gezwungen, über sich und seinen Lebensweg nachzudenken und eine Stellung zu beziehen. 

Das ist anstrengend, unbequem, herausfordernd. Aber, sofern man sich auf diese Konfrontation einlässt und ihr nicht ausweicht, weiß man am Ende, wo man steht. 

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Aus pietistisch geprägten Kreisen kennen wir die Bilder, die einen breiten, bequemen Weg zeigen, auf dem die große Mehrheit unterwegs ist – geradewegs auf dem Weg in ihr Verderben. Und eben einen schmalen Weg mit nur wenigen Menschen, auf die am Ende der Himmel wartet. 

Es sind Bilder wie diese und die dazu gehörenden (Gerichts-) Predigten, die lange auch für ein Klima der Angst gesorgt haben, die Menschen eingeschüchtert und ihnen die Freude an Jesus und an Gott genommen haben. Wie kann man so noch unbefangen glauben? 

Immer schwingt die Furcht vor einem strafenden Gott mit und verdirbt die an sich gute, froh und frei machende Nachricht. Umgekehrt spüren wir aber auch sehr deutlich, dass der Weg einer “Spaßgesellschaft” mit ihrer Oberflächlichkeit oder einer “Wegwerfgesellschaft” mit ihrer Verschwendungsmentalität nicht richtig sein kann. 

Es sind immer (!) die “engen Pforten”, die “schmalen Wege”, die in sich ein großes Potential haben, die dem Leben dienen und Wege aus Krisen weisen.

Nadelöhr
Foto: Pixabay/Printeboek

In diesem Sinn haben die harten Worte Jesu mit ihrem Willen zur Konfrontation, mit ihrem Drang zur Herausforderung etwas wirklich Heilsames. Wer sich auf sie einlässt, für den wird es nicht bequem, aber er oder sie findet die Schätze, die sich auf den breiten Wegen des gerade jeweils angesagten Mainstreams nie zu finden sind. 

“Schmale Wege und enge Pforten” – wer mit Jesus unterwegs ist – und dazu sind wir alle eingeladen – den erwartet ein herausforderndes, niemals langweiliges, ehrliches Leben. 

Auf welchem Weg sind Sie unterwegs? Wozu würde Jesus Sie herausfordern?

Die Passionszeit ist eine Einladung, sich auch auf die schwierigen Fragen des Lebens einzulassen.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit!