Gottes Ruf im Leben hören

Pater Philipp

Pater Philipp Meyer OSB (lat. = Ordo Sancti Benedicti) ist seit 2006 Mönch der Benediktinerabtei Maria Laach. Er ist künstlerischer Leiter der Laacher Abteikonzerte und arbeitet in der Abtei unter anderem als Jugendseelsorger, in der Berufungspastoral und als Küchenchef. Ich freue mich, dass Pater Philipp sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.

Pater Philipp, Sie sind im Alter von 24 Jahren in ein Kloster eingetreten. Was hat Sie dazu bewogen?

Pater Philipp: Ich denke, dass diese Frage mit dem Wort Berufung beantwortet werden kann. Gottes Ruf im Leben, im Alltag, im Herzen zu hören und anzunehmen ist die Aufgabe jedes getauften Christen. Was will Gott von mir? Was ist das, was ich mit meinem Leben beitragen kann, sein Evangelium in die Welt von heute zu tragen?

Auch mein Leben hat Schleifen gedreht und Umwege genommen – bis heute.

Wenn ich dem Evangelium glaube, dann hat jeder Mensch eine unverwechselbare Berufung, die es freizulegen und zu leben gilt. So hat mich mein Weg nach Maria Laach geführt, weil ich erkennen durfte, dass ich mein Leben der Gottsuche in einer konkreten Gemeinschaft widmen möchte. Das war natürlich kein glatter, gerader Weg.

Auch mein Leben hat Schleifen gedreht und Umwege genommen – bis heute. Einfach macht es Gott einem nicht. Oder besser – der Mensch; ich mache es mir nicht einfach mit mir selbst. Ich weiß einfach zu viel besser. Schlicht auf Gott zu vertrauen, wäre vielleicht zu einfach. Da funkt oft der eigene Kopf, der Zweifel, der Unglaube dazwischen. Aber auch hier lädt mich Gott ein, der mich schließlich besser kennt, als ich mich selber kenne, ihm alles hinzuhalten, um ihn um Heilung und Kraft zu bitten, meinen Weg immer wiederzufinden und zu gehen.

Kloster Maria Laach
Benediktinerabtei Maria Laach
Foto: Pixabay/Didgeman

Wenn ich Sie auf dem Foto sehe, dann kann ich mir vorstellen, dass Ihnen die jungen Frauen – salopp gesprochen – hinterhergelaufen sein müssen ;-). Hat Ihnen die Aussicht auf ein zölibatäres Leben hinter Klostermauern die Entscheidung nicht ausgesprochen schwer gemacht?

Pater Philipp: Die Frage spielt ja, ehrlich gesagt, mehr auf den Aspekt der Sexualität, als auf die Frage nach einem ehelosen Leben an. Äußere Attraktivität kann womöglich eine Hilfe sein, mit Menschen in Kontakt zu kommen, keine Frage. Aber wichtiger ist die Frage nach einem konkreten Beziehungsgeschehen im Leben.

Ich bin, wie jeder Mensch, ein Wesen mit einer konkreten Sexualität, mit der ich umgehen, der ich mich stellen und die ich annehmen muss. Vor dieser Herausforderung steht aber ebenfalls jeder Mensch. Die Frage nach der Sexualität, nach Körperlichkeit und Lust ist ja, nur weil ich verheiratet bin oder in einer Beziehung lebe, nicht abgeschlossen.

Der andere Aspekt ist das Leben in einer gelingenden Beziehung. Und das ist für mich die konkrete Klostergemeinschaft in Maria Laach. Hier geschieht jeden Tag viel Beziehung, weil wir eng beieinander leben, beten und arbeiten. Das ist wunderschön, nicht spannungsfrei, eine Herausforderung aber für mich bislang unangefochten. 

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Und dann ist da die Beziehung zu Gott. Von ihm her darf ich mich definieren, erkennen und prägen lassen. Ihm darf ich meine Wunden und Schatten hinhalten, durch ihn darf ich mich mit Geist und Leben begaben lassen, um das ins Leben zu bringen, was er von mir erwartet. Er will mir gut, davon bin ich zutiefst überzeugt. Und ist nicht genau das, was eine gute, lebendige und kraftvolle Beziehung ausmacht? 

Sie haben das Buch „Gott macht unruhig – Die Dynamik meines Glaubens“ geschrieben. Was hat Sie unruhig gemacht bzw. zu diesem Titel veranlasst?

Pater Philipp: Den Titel hat der Verlag ausgesucht. Ich tue mich bis heute nicht ganz leicht damit. Aber ich hatte auch keine bessere Idee. Es macht unruhig, dass man mit Gott und Gott nicht mit seinem Kind irgendwie fertig ist. Gott ist in allen Nuancen des Lebens.

Das ist, wenn man es wirklich kapiert, eine krasse Herausforderung. Man spürt, dass man eben nie fertig wird mit sich. Der heilige Benedikt, unser Ordensgründer, schreibt im vierten Kapitel seiner Regel „Über die Werkzeuge der geistlichen Kunst“ als letztes Werkzeug: „An Gottes Barmherzigkeit niemals verzweifeln“.

Ich denke, dass das die wohl größte Herausforderung ist, da sie wirklich uns Menschen entgegensteht, denn wir kommen immer wieder an unsere Grenzen mit uns selbst, unserem Dasein und den Mitmenschen. Dass Gott immer die Ruhe bewahrt mit uns, mit mir, kann einen schon mal unruhig machen. 

Lacher See
Laacher See
Foto: Pixabay/Didgeman

Trotz der immer stärker um sich greifenden Kirchenferne vermissen viele Menschen Spiritualität in ihrem Leben. Wie kann Ihr Buch den Leserinnen und Lesern dabei helfen, Gott zu suchen und vielleicht auch zu finden?

Pater Philipp: Das größte Problem unserer Tage ist meines Erachtens, dass man versucht, Spiritualität von Verlässlichkeit und Konsequenz abzukoppeln. Das ist aber mit dem Gott der Bibel so nicht zu haben. Da gibt es eben keine halben Sachen. „Euer Ja sein ein Ja, euer Nein ein Nein – alles andere stammt vom Bösen.“ (Mt 5,37)

Mit Gott gibt es keine halben Sachen.

Das ist ein Anspruch, der gegen menschliche Autonomie und Freiheit ausgespielt wird. Und dann sehen wir, dass der Mensch noch nie so frei war wie heute und doch irgendwie gefangen scheint in dieser Freiheit. Es ist so viel Traurigkeit und Resignation in der Welt, verzweifelte Suche nach Sinn, Bestätigung und Qualität – aber irgendwie findet man keine Antwort.

Gott gibt eine, allerdings ohne halbe Sachen zu machen. In dem Buch versuche ich, auf dem Fundament der Bibel und eigenen Erfahrungen Mut zu machen, die Belanglosigkeit unserer Zeit zu entlarven und ihre Schädlichkeit für uns und stelle die Kraft Gottes gegenüber, der für uns das Leben in Fülle vorsieht.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich…”

Pater Philipp: Gebet ist für mich die Kommunikation mit dem, der mich unbedingt bejaht, die Rücksprache mit dem, der mir das wahre Leben zeigt.

Ich danke für das Gespräch.

Von Pater Philipp wurden mehrere Bücher veröffentlicht:
„Gott macht unruhig: Die Dynamik meines Glaubens“. Erschienen am 17. Februar 2020 im Verlag Herder.
„Gott ist uns nahe: 24 Adventsmeditationen Kalender“. Erschienen am 14. September 2020 im Verlag Herder.

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