Vom Glück, das wir schon haben

Samuel Harfst

Samuel Harfst lebt in Hüttenberg bei Gießen in Mittelhessen und ist Sänger, Sprecher und Songwriter. Wer ihn bereits live erlebt hat, weiß, dass er in keine Schublade passt. Ein Straßenmusiker, der es ins Vorprogramm von Whitney Houston schaffte. Er hat außerdem das Buch “Das Privileg zu sein: Vom Glück, das wir schon haben” geschrieben, das 2022 vom Adeo Verlag herausgegeben wurde. Ich freue mich, dass Samuel Harfst sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.

Ein dreifaches Hoch, dachte ich, als ich bei Spotify zum ersten Mal Songs aus Ihrer Feder hörte: Auf die schönen, eingängigen Melodien, auf die guten und oft bewegenden Texte und nicht zuletzt auf Ihre klare Stimme, bei der man spürt, dass Sie inhaltlich voll hinter Ihren Liedern stehen. Was mir selbstverständlich ebenfalls auffiel, war, dass Ihre Songs auch oft von den Themen Gott und Glauben beseelt sind. Was ist Ihre Motivation, den Zuhörerinnen und Zuhörern etwas “zuzumuten”, was nicht unbedingt massenkompatibel erscheint?

Samuel Harfst: Erst einmal vielen Dank für die netten Komplimente. 

Tatsächlich bin ich ein Künstler, der sehr intuitiv arbeitet und beim Schreiben noch nicht weiß, wo er mit dem Lied hin will, sondern gerade genau das ja herausfinden möchte.

Ich glaube, dass Musik wie jede Kunst den Betrachter bzw. die Zuhörerin mit an den Ort nehmen kann, an dem sie entstanden ist. Wenn ich also schreibe, schaue ich, was mich und die Menschen im Raum in diesem Moment bewegt. Aus Erfahrung wird so nicht nur das Ergebnis, sondern auch schon der Schaffensprozess viel schöner, als bei einer verkopften oder verbissenen Herangehensweise. 

Samuel Harfst im Studio
Samuel Harfst im Studio
Foto: Samuel Harfst

Anstatt zu erraten und zu abstrahieren, was einem gewissen Publikum gefallen könnte, haben wir besonders beim Album “Im Namen der Liebe” geschaut, was uns in schweren Zeiten Frieden gibt und oben trägt in einer Welt, in der einen so viel herunterziehen kann. Kurz gesagt: Wir haben uns auf die Suche nach dem göttlichen Funken gemacht.

Wie entsteht bei Ihnen der Text für einen Song? Unterliegt er mehr dem Zufall bzw. einer inneren Eingebung? Was möchten Sie mit Ihrer Musik bewegen?

Samuel Harfst: Jedes Lied entsteht ein bisschen anders und der Prozess fasziniert mich so sehr, dass ich genau darüber Workshops gebe. Aber so viel vorab, ich glaube, dass die besten Zeilen einem einfach so herausrutschen, wenn man lernt, sie herauszulassen. Es gibt zahllose Workshops oder Bücher, die einem erklären, wie man Texte editiert und bearbeitet. Aber wie man an die wirklich guten Zeilen gelangt, die tief in unserem Inneren schlummern, ist für mich die viel wichtigere und vor allem spannendere Frage.

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Erlauben Sie mir bitte eine Frage zu Ihrem Buch “Das Privileg zu sein: Vom Glück, das wir schon haben”. Hier lautet eine der Schlagzeilen: “Das größte Glück, das ein Mensch erleben kann, besteht darin, das unverschämte Glück zu erkennen, das er bereits hat.” Haben Sie einen Tipp, wie auch ein tief unglücklicher Mensch dieses Glück noch aufspüren kann?  

Samuel Harfst: Das ist eine sehr gute Frage. Ich tue mich schwer, Menschen in dieser Situation pauschal Antworten zu geben, denn in Zeiten, in denen es mir schlecht geht, hilft mir so etwas selten weiter. Ganz im Gegenteil bringt es mich dann viel weiter, wenn jemand meine ganz individuelle Situation sieht.

Das größte Glück, das ein Mensch erleben kann, besteht darin, das unverschämte Glück zu erkennen, das er bereits hat.

Was ich jedoch jedem raten kann, ist, nicht zu lange zu warten, bis man sich Hilfe bei Freunden, Therapeuten sucht. Keiner würde sich darüber wundern, wenn man bei einem gebrochenen Bein ins Krankenhaus geht. Bei einem gebrochenen Herz ist die Hemmschwelle oft viel höher, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich…”

Samuel Harfst: Gebet ist für mich ein schönes Mysterium. Aber auch ein innerlicher und sehr persönlicher Prozess. Ich bete zum Beispiel nicht gerne laut, geschweige denn laut vor einer Gruppe Menschen.

Als ich dies in einem meiner letzten Konzerte äußerte, kamen danach mehrere Leute unabhängig voneinander zu mir und sagten, dass sie meine Lieder als gesungene Gebete wahrnehmen. Das hat mich gefreut, denn tatsächlich versuche ich ja, beim Singen mein Innerstes nach außen zu kehren. Aber was mir in der Musik schon gelingt, fällt mir beim Beten – Stand heute – noch schwer.

Ich danke für das Gespräch.

(Hinweis zu den verwendeten Fotos von Samuel Harfst: Die Bildrechte liegen bei RaketenRecords / Maximilian Heinsch.)

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