Heilige Schubser

Pfarrer Dr. Uwe Vetter

Vielen Menschen fällt das Beten schwer. Und hat man sich dann doch dazu durchgerungen, ist man schnell enttäuscht, weil der erwartete “Erfolg” ausbleibt, denn Gott ist kein Cola-Automat, wie der Mettmanner Kreisjugendseelsorger, Herr Dr. Max Moll, in seinem Beitrag schreibt. Manchmal muss man genau hinsehen oder hinhören, um die kleinen Schubser zu erkennen, die uns der Himmel aufzeigt.

Pfarrer Dr. Uwe Vetter von der Johanneskirche in Düsseldorf hat in seiner Sermonette vom 16.11.2007 unter anderem dargelegt, woran wir die Zeichen des Himmels erkennen können:

“Im letzten Herbst habe ich Ihnen von den ‘Heiligen Pleiten’ erzählt: Dass Gott uns zuweilen Seinen Engel in den Weg stellt und wir (wie weiland Bileam) vor eine unsichtbare Wand rennen, solange bis wir begreifen, hier will uns Jemand vor einer kapitalen Dummheit bewahren. – Heute nun die Fortsetzung. Das Phänomen hat nämlich eine nicht minder mysteriöse Kehrseite: Dass es nämlich Wege gibt, die irgendwie magnetisch sind; dass der Himmel uns eine Spur legt und Sein ganzes Repertoire an Tricks aufbietet, uns auf Kurs zu halten. Da reihen sich Zufälle an Zufälle, da geschehen Zeichen und Wunder. Man merkt, es geht nicht ‘mit rechten Dingen’ zu. Man fühlt den Schubser. Man spürt die Absicht und ist berührt. – Aber lassen Sie mich das in kleinen Schritten beschreiben.

grüne Ampel
Plötzlich grüne Welle

Es gibt Tage, die mit Novemberwetterlaune beginnen. Beim ersten Augenaufschlag morgens kommt einem schon alles verdächtig vor. Vorsorglich steht man mit beiden Beinen zugleich auf und erwartet den Tag wie einen Raufbold, der einem auf dem Schulweg auflauert … und dann passiert nichts. Kein Kopfweh stellt sich ein. Auf der Fahrt zum Büro grüne Welle. Die Heizung funktioniert. Die E-Mail-Liste unerklärbar kurz. Dinge, die einem tagelang Kopfzerbrechen gemacht haben, lösen sich auf verblüffend einfache Weise. Kreative Ideen befallen Sie, schneller, als Sie sie notieren können. Sie treffen nur nette Menschen und sie kriegen jeden, den sie sprechen müssen, auf Anhieb ans Telefon. Es ist verblüffend. Irgendwie hält der Tag ihnen die Türen auf: Darf ich bitten?

Heiden fühlen sich geschmeichelt und denken: Was bin ich für ein toller Hecht! Ich hab´s doch immer gewusst. Noch vor der Mittagspause wird aus ihrem Glauben-an-sich-selbst Gewissheit: Das ist mein Tag! Und dann füllen sie Lottoscheine aus, rasen gezielt mit hundertzwanzig Sachen in eine Radarfalle, mit (Siegeszeichen und) breitem Lächeln für die Kamera: Hier kommt der Abräumer. Egal, was morgen ist, heute bin ich unschlagbar.

Christen machen das anders. Sie stellen sich still mit dem Kaffee ans Fenster, schauen hinaus und fragen sich: Was hat ER vor? Was will der Himmel von mir? Christen sind Leute, die merken, wenn es einer von jenen Tagen ist, an denen die Erdkruste ganz dünn wird, wenn man durch die Schuhsohle spürt, dass der Himmel eine Magnetspur legt und wortlos sagt: Komm, hier entlang. Christen spüren den heiligen Schubser und denken: OK, was willst Du, Gott?

Jona und der Walfisch
Jona im Bauch des großen Fischs

Die Bibel überschlägt sich geradezu mit Erzählungen von solchen heiligen Schubsern. Die bizarrste und witzigste ist die Jona-Geschichte. Gott braucht jemanden, der die großspurigen Menschen von Ninive auf den Teppich holt. Und Jona ist der dafür vorgesehene Mann. Geh nach Osten, sagt der HERR zu Jona, mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie! Und Jona geht. Aber in die entgegen gesetzte Richtung! Wie von Furien gehetzt, saust er zur nächsten Hafenstadt (Joppe/Jaffa), bucht eine Passage zum Westende der damals bekannten Welt, Richtung Spanien. Nicht nur eine Fahrkarte kauft er, nein, er chartert gleich das ganze Schiff, um sich vor Gottes Auftrag in Sicherheit zu bringen.

Doch der Himmel bleibt gelassen, arrangiert in Seelenruhe einen Sturm, lässt die Matrosen nach einem passablen Opfer suchen, zur Besänftigung für den Meeresgott. Das ist dann natürlich Jona und Jona fliegt über Bord. Alsdann schickt Gott einen großen Fisch, der unseren Helden verschluckt, und in seinem Bauch zurück nach Jaffa transportiert und ihn an Land würgt. Und Gott sagt aufgeräumt: Mein Freund, wie war’s in Spanien? Mach dich frisch, und wenn du soweit bist, dann mach dich auf, geh in die große Stadt Ninive und predige ihr, was Ich dir sage. So war das, so ist das oft: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der HERR allein lenkt seinen Schritt (Sprüche 16:9).

Gott als Schubser
Gott als Schubser

Kennen Sie das, liebe Mitchristen, wenn Gott Seine Tricks anwendet, um uns zu etwas zu bringen, das wir gar nicht auf der Liste hatten? Kennen Sie diese heiligen Schubser? Kennen Sie das, wie Er uns manchmal Wege leitet, die uns selbst nie eingefallen wären, und die sich dann, am Ende, als unser Leben(sweg) herausstellen ? Ich empfehle Ihnen mal, alle Sätze im Gedächtnis durchzugehen, die wir einleiten mit ‘Früher hätten mich keine zehn Pferde …’, ‘Eigentlich wollte ich gar nicht …’, ‘Nie hätt ich gedacht, dass ich … !’

  • Mit 9 Jahren wollte man unbedingt Gabelstablerfahrer werden, wegen der vielen schwarzen Hebel, mit 17 Jahren dann der Nachfolger von Sean Connery (dem einzigen richtigen James Bond). Aber irgendwie sagte Gott: Ich hab genug Gabelstablerfahrer. Und ein Sean Connery reicht mir, wirklich! Ich brauch dich woanders. Und schwupp ist man Medizinstudent, Buchhändler, Bauingenieurin oder Koch, und es passt! Hallo Jona!
  • Es gibt Jugendliche – cool bis zum Gefrierpunkt, einäugig wegen ihres Halbgesichtsponys, verbal die reinen Zyniker. Dann spült sie ein Zivildienstjahr in ein Behindertenheim: Und siehe da, wie ausgewechselt! Der Auskenner vom Dienst wird zum sprachlosen Stauner. DerSprücheklopfer wird ein Hinhörer, der Rumhänger zu einem, der Sachen erledigt kriegt. Und Gott sagt: Habt ihr an Jona gezweifelt? Ich nie!
  • Manche buhlen, taumeln und schlafen sich als Teeny/Twens durch ihre Beziehungen, schwärmen heut für diese und morgen für jenen. Bis Gott eines Tages fragt: OK, Jona, bist du nun soweit? Dann pass auf, ich zeig dir jetzt mal deine Frau/deinen Mann. Und eh man/frau sich versieht, ist man/frau Jahrzehnte verheiratet. Und siehe, es war sehr gut.
  • Es gibt in fast jeder Biographie so eine Phase, da ist Kirche alles andere als verführerisch. ‘Sie bringt´s nicht’. ‘Gottesdienste – ich doch nicht!’ Und siehe da, jetzt sitzen Sie hier. Zugegeben, im Schutz der Dunkelheit, aber doch hier. Und Gott sagt: Hallo Jona, Ich hab das immer gewusst.
Gott weiß, wo Er uns haben will

Irgendwann merkt jeder Mensch, dass Gott uns einen Weg segnet, mit kleinen Erfolgen garniert, mit Menschen bevölkert, die uns weiter helfen, mit Herausforderungen würzt. Es ist ein Weg ohne Zäune. Wir können ausbrechen, aber eher wie Jona. Am Ende des Tages ist der Himmel einfach besser und hat einfach mehr Tricks drauf und versteht es uns dahin zu lenken, wo Er uns haben will und braucht. – Heiden reden von Zufällen, glauben an sich und besprühen sich mit AXE-Deo mit Bom-Chicka-Wahwah-Effekt, um die ´Glückssträhne` voll zu nutzen. – Christen schmunzeln sich eins, spüren die heiligen Schubser und denken: Mein Gott, nun sag schon, was Du willst.

Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.

So war das. So ist das. Sagen Sie hinterher nicht, ich hätte Sie nicht darauf hingewiesen.”

(Quelle: Pfarrer Dr. Uwe Vetter, Johanneskirche Düsseldorf, 16.11.2007)

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