Zeit für die Freundschaft mit Jesus

Generalvikar Dr. Andreas Frick

Herr Dr. Andreas Frick ist Residierender Domkapitular und Generalvikar im Bistum Aachen. In dieser Funktion ist er Stellvertreter des Diözesanbischofs Dr. Helmut Dieser und für die Verwaltung der Aachener Diözese zuständig. Ich freue mich, dass Herr Dr. Frick sich die Zeit für dieses Interview genommen hat.

Herr Dr. Frick, Ihr Primizspruch zu Ihrer Priesterweihe lautet: “Einer trage des anderen Last”. In diesen innerkirchlich schwierigen Zeiten gewinnt Jesu Anspruch eine besondere Bedeutung. Wie sehen Sie den weiteren Weg der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals und der synodalen Reformbestrebungen?

Dr. Andreas Frick: Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals ist in unserem Bistum in den letzten Jahren ein Schwerpunkt. Ich bin sehr dankbar, dass sich Betroffene bei uns in einem eigenen, unabhängigen Rat eigenständig zusammenschließen und uns mit ihrer Sicht auf die Dinge bereichern. Auch eine eigene Aufarbeitungskommission sowie ein Beraterstab werden uns bei der weiteren Aufarbeitung helfen. Das alles geht freilich vielen längst noch nicht schnell genug. Doch dass sich wirklich viele Betroffene engagieren wollen, macht mir Hoffnung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Bezüglich synodaler Reformbestrebungen sind wir meiner Einschätzung nach schon ziemlich weit. Bereits in seiner Silvesterpredigt 2017 hat unser Bischof Helmut den Synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozess “Heute bei dir” ausgerufen. 

Steiniger Weg
Der Synodale Weg ist beschwerlich

Ziel war es immer, Ergebnisse mit möglichst großer Beteiligung zu erlangen, aus verschiedenen Perspektiven und Zuständigkeiten. Das hat sich in der Arbeitsmethodik fortgesetzt. Bestmögliche Ergebnisse sind unserem Auftrag verpflichtet, sie versuchen, verschiedene Perspektiven zu integrieren. “Einwandfrei” sind die Ergebnisse insofern, als dass es in den beratenden Gremien keine schwerwiegenden Einwände gegen die Richtung und die Perspektive auf die nächsten Schritte gibt. Dieses Ringen ist sehr aufwendig, aber wir sind überzeugt, dass es uns in diesen Umbruchzeiten weiterführt auf einem gemeinsamen Weg. Das meint im besten Sinne “synodal”.

Sie haben in einem geistlichen Videobeitrag von Ihrer Tätigkeit als Seelsorger gesprochen. Inwieweit können Sie als Generalvikar überhaupt noch im klassischen Sinne Seelsorger sein?

Dr. Andreas Frick: Ich bin Priester und später dann auch gerne Pfarrer geworden, weil mir die Seelsorge eine Herzensangelegenheit ist. In der Tat ist das Amt des Generalvikars ein “Fulltime-Job”. Ich nehme mir trotzdem die Zeit, Seelsorger zu sein. Ich feiere jeden Tag die heilige Messe, oft und gerne morgens um 7 Uhr im Aachener Dom. Selbst danach ergeben sich häufig Gespräche mit Menschen, die mich spontan ansprechen. Ebenfalls erreichen mich Fragen zur geistlichen Begleitung oder zu Beichtgesprächen, aber auch zu Taufen oder Hochzeiten, die ich gerne wahrnehme – so es die Zeit erlaubt. Es ist mir wichtig, auch weiterhin als Seelsorger wirken zu können.

Das Gebet begleitet mich schon, seit ich denken kann, als Kraft- und Inspiriationsquelle.

Das Gebet hat seinen ursprünglichen Ort in der Gemeinschaft von Menschen. “So sollt ihr beten …”, sagt Jesus. Wie erleben Sie persönlich in Ihrer besonderen Aufgabe das Gebet?

Dr. Andreas Frick: Das Gebet begleitet mich schon, seit ich denken kann, als Kraft- und Inspiriationsquelle. Im Tagesablauf eines Priesters gibt das Gebet morgens, mittags, abends, bei der Heiligen Messe und in anderen Momenten der Besinnung eine geistliche Struktur. Für mich ist es jedoch noch mehr als das. Ich bete über den Tag verteilt z. T. allein und bin dabei anderen und ihren Anliegen im Gebet verbunden, und ich bete mit anderen gemeinsam. Immer ist Gebet ein verbindendes Element, sowohl der Menschen untereinander und selbstverständlich in der Verbindung zu Gott. In meiner besonderen Aufgabe erlebe ich das Gebet immer als Stärkung, Ermutigung und Hilfe. So, wie ich mir auch für Begegnungen und Freundschaften Zeit nehme, so auch für die Freundschaft mit Jesus!

Ottonisches Kreuz St. Margareta Düsseldorf
Ottonisches Kreuz in St. Margareta, Düsseldorf-Gerresheim (um 960)

Im Rahmen der Initiative “Heute bei dir” gibt es auch eine Gruppe, die sich mit dem Thema “Gebet und Katechese” beschäftigt. Wie sehen Sie die Zukunft des Gebets? 

Dr. Andreas Frick: Die Ermöglichung einer persönlichen Beziehung zu Gott ist für die Menschen elementar. Dazu braucht es Vorbilder. In der Glaubensgestaltung geht es aber auch um eine Sprachfähigkeit, auch im privaten Gebet. Neben vielem anderen wollen wir als Kirche dabei helfen, eine Gottesbeziehung – auch im Gebet – aufzubauen. 

Jesus Christus lädt uns ein, mit ihm dieses vertrauensvolle “Abba” zu sagen.

Dabei können auch rituelle Kompetenzen helfen, um das eigene Leben in seinen vielfältigen Anlässen, Übergangs- und Grenzmomenten für sich und mit anderen gestalten zu lernen. Gott ist der, zu dem ich immer “Du” sagen kann; Jesus Christus ist Bruder, Freund und Ansprechpartner, er, der Sohn des lebendigen Gottes. Und er lädt uns ein, mit ihm dieses vertrauensvolle “Abba” zu sagen. 

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich…”

Dr. Andreas Frick: Gebet ist für mich das selbstverständliche Gespräch mit Gott, und am liebsten mit dem Sohn Gottes, mit Jesus.

Ich danke für das Gespräch.

(Hinweis zum oben verwendeten Foto von Herrn Generalvikar Dr. Andreas Frick: Die Bildrechte liegen beim Bistum Aachen/Andreas Steindl.)

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