Gebete zwischen Dünen und Kirchenglocken

Strand

Während andere im Urlaub den warmen Sand zwischen den Zehen spüren, das Rauschen der Nordsee genießen oder mit einem Eis in der Hand durch kleine Hafenstädte schlendern, stehe ich an einem Dienstagmorgen in einer niederländischen Kirche, zünde Kerzen an und spreche Gebete. Nicht für mich allein – sondern für die Menschen, die mir in den Tagen zuvor ihre Sorgen, Hoffnungen und Bitten anvertraut haben.

Die Gebetsanliegen, die über meine Website bei mir eintreffen, machen keinen Urlaub. Krankheit, Angst, Trauer oder auch Dankbarkeit kennen keinen Ferienkalender. Deshalb nehme ich sie mit, wohin auch immer ich gehe. Diesen Sommer waren es zwei Wochen in den geliebten Niederlanden – ein Urlaub voller Fahrradtouren durch Dünenlandschaften, kleiner Ausflüge an die Nordsee und gemütlicher Abende bei Kerzenschein. Aber der Dienstag gehörte, wie immer, den Anliegen anderer Menschen.

Enkhuizen Urlaub
Enkhuisen in den Niederlanden
Foto: Achim Beiermann

Schon am frühen Vormittag lese ich auf meinem Smartphone die Nachrichten, die mich in der Woche erreicht haben – meist 15 bis 20 an der Zahl. Manche sind nur ein paar Zeilen lang, andere erzählen ganze Lebensgeschichten voller Schmerz und Sehnsucht. Zuhause wie auch unterwegs schreibe ich für jede einzelne Person ein persönliches Gebet. Es ist ein stiller Moment, in dem ich mich ganz auf das Anliegen einlasse, Worte suche, die tragen können, und sie als Notiz eintippe.

Wenn alles vorbereitet ist, suche ich eine Kirche auf. Natürlich könnte ich überall beten – im Ferienhaus, am Strand, im Wald. Doch Kirchen sind für mich Orte, die meine Gedanken bündeln, an denen Gebet ein Zuhause findet. Hier bekomme ich den Raum und die Stille, um all das vor Gott zu tragen, was Menschen mir anvertrauen.

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In diesem Sommer war es die Klosterkirche der Benediktinerabtei in Egmond-Binnen, nicht weit von der Nordsee entfernt. Eine kleine, schlichte Kirche, deren Türen auch an Wochentagen weit offenstehen. Ich trete ein, setze mich in eine Bank und lasse die Stille auf mich wirken. Dann entzünde ich für jedes Anliegen eine Kerze – ein kleines Licht, das brennt, auch wenn ich längst wieder gegangen bin. Während ich bete, stelle ich mir die Menschen vor, die mir geschrieben haben. Manchmal kommen mir noch eigene Worte, manchmal nur ein stilles „Herr, erbarme dich“.

Skulpturen im Klostergarten der Benediktinerabtei in Egmond-Binnen
Foto: Achim Beiermann

Am Ende schicke ich ein Foto der Kerze und den Text des Gebets zurück an die Person, die mich darum gebeten hat. Viele schreiben mir dann, wie sehr ihnen dieser Moment Trost gibt – zu wissen, dass irgendwo jemand für sie gebetet hat, dass ihr Anliegen vor Gott gebracht wurde.

Urlaub bedeutet für mich also nicht, dass ich mich von diesem Dienst verabschiede. Im Gegenteil: Gerade unterwegs spüre ich manchmal besonders stark, dass wir einander tragen können – über Entfernungen hinweg, verbunden durch das Gebet.

Und während draußen die Wellen am Strand auslaufen und das Leben einen leichten Sommerklang hat, brennt drinnen eine Kerze für jemanden, der gerade schwer trägt. Vielleicht ist das die schönste Form von Urlaub, die ich mir vorstellen kann.

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