Diese Woche haben in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien begonnen. Für viele heißt das: Koffer packen, ins Auto steigen oder zum Flughafen fahren. Wochenlang wurde geplant, gebucht und organisiert. Und wenn wir ehrlich sind, planen wir oft sogar unseren Urlaub ziemlich genau. Was wollen wir sehen? Welche Ausflüge machen wir? Welches Restaurant müssen wir unbedingt ausprobieren?
Dabei frage ich mich manchmal, ob wir selbst aus der Erholung inzwischen ein kleines Projekt gemacht haben.
Einfach einmal sein
Unser Alltag ist geprägt vom Tun. Morgens müssen die Kinder rechtzeitig zur Kita oder zur Schule. Danach geht es zur Arbeit. Termine warten, Entscheidungen müssen getroffen werden und nebenbei kreisen die Gedanken schon um den Nachmittag: Einkaufen, Wäsche, Sportverein, vielleicht noch schnell eine E-Mail beantworten.
Wir funktionieren erstaunlich gut. So gut sogar, dass wir oft gar nicht merken, wie selten wir einfach nur sind.
Vielleicht erklärt das auch, warum viele Menschen die ersten Urlaubstage gar nicht richtig genießen können. Der Körper liegt zwar schon am Strand oder sitzt auf einer Bank im Park. Aber der Kopf arbeitet noch weiter. Erst nach einigen Tagen kommt er langsam hinterher, so dass auch der Urlaub für die Seele endlich beginnen kann.
Ich finde dieses Bild sehr treffend: Die Seele braucht manchmal etwas länger als der Körper.
Die wichtigste Reise
Vielleicht ist genau das die eigentliche Reise des Urlaubs. Nicht die Fahrt ans Meer oder in die Berge. Sondern der Weg zurück zu sich selbst. Einfach einmal den Wind spüren. Dem Rauschen der Bäume zuhören. Auf einer Bank sitzen, ohne ständig auf die Uhr zu schauen. Nicht, weil wir nichts Besseres zu tun hätten, sondern weil genau darin ein besonderer Reichtum liegt.
Ich glaube, wir unterschätzen diese Augenblicke.
Sie erinnern uns daran, dass unser Wert nicht davon abhängt, wie produktiv wir sind. Wir müssen uns unsere Daseinsberechtigung nicht jeden Tag neu verdienen. Wir dürfen einfach da sein. Vielleicht ist das sogar eine der schönsten Botschaften des Glaubens: Gott liebt uns nicht zuerst wegen dem, was wir leisten. Sondern weil wir seine Menschen sind.
Urlaub für die Seele des anderen verschenken
Und vielleicht gibt es noch eine zweite Einladung.
Urlaub muss nicht bedeuten, dass wir uns nur um uns selbst drehen. Gerade weil wir etwas mehr Zeit haben, können wir sie vielleicht auch verschenken.
Ein freundliches Gespräch mit dem Nachbarn. Ein paar Minuten für einen einsamen Menschen. Ein ehrliches Lächeln an der Supermarktkasse. Ein Telefonat, das wir schon lange führen wollten. Solche kleinen Gesten kosten kaum Zeit. Und doch können sie den Tag eines anderen Menschen zum Positiven verändern.
Vielleicht besteht die schönste Urlaubserinnerung am Ende gar nicht nur aus den Fotos, die wir gemacht haben. Sondern aus den Momenten, in denen wir selbst für einen kleinen Moment zur Erholung für einen anderen Menschen geworden sind.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie in diesem Sommer nicht nur verreisen, sondern auch bei sich selbst ankommen. Und dass Ihre Seele genügend Zeit bekommt, den Weg dorthin mitzugehen.








