Schwarze Löcher und Schöpfung

Prof. Dr. Heino Falcke

Herr Prof. Dr. Heino Falcke ist Astrophysiker und Radioastronom am Institut für Mathematik, Astronomie und Teilchenphysik (IMAPP) der naturwissenschaftlichen Fakultät der Radboud Universität in Nijmegen (Niederlande). Er widmet sich seit mehr als 20 Jahren dem Phänomen der sogenannten Schwarzen Löcher. Außerdem verkündigt Heino Falcke als ehrenamtlicher evangelischer Prediger in der Evangelischen Kirche im Rheinland Gottes Wort. Im folgenden Interview wird deutlich, wie Schwarze Löcher und Schöpfung miteinander verbunden sein können.

Ich freue mich, dass Herr Prof. Dr. Falcke sich die Zeit für die Beantwortung meiner Fragen genommen hat.

Herr Professor Falcke, können Sie uns in wenigen Sätzen erklären, was die geheimnisvollen Schwarzen Löcher sind?

Prof. Dr. Heino Falcke: Schwarze Löcher sind eigentlich nur das Endstadium von Sternen, sozusagen die Leichen explodierter Riesensterne. Was sie so besonders macht, ist, dass bei ihnen unglaubliche Mengen Materie auf kleinstem Raum zusammengedrückt sind, und zwar so stark, dass nichts mehr diesen Objekten entkommen kann, nicht mal mehr Licht. Deshalb sind sie schwarz und keine Information kann sie mehr verlassen.

Im Jahr 2019 ist Ihnen mit Ihrem Team das erste Foto von einem Schwarzen Loch gelungen. Welche persönliche Bedeutung hatte dieses Ereignis für Sie?

Prof. Dr. Heino Falcke: Es war für mich schon ein wissenschaftlicher Traum, der in diesem Moment wahr geworden ist, weil die Schwarzen Löcher bis dahin so etwas Mysteriöses waren, ja, etwa Mythisches. Und jetzt konnten wir sozusagen „dem Ungeheuer in den Rachen schauen“ und es in gewisser Weise mit eigenen Augen (durch Radioteleskope) sehen.

Für mich persönlich war es natürlich auch ein besonderes Erlebnis, weil wir dieses Bild schon vor zwanzig Jahren vorhergesagt hatten und es sah fast genau so aus, wie wir es uns vorgestellt hatten. Es war von daher ein sehr schöner Moment zu erleben, dass sich die Vorhersage erfüllte von dem, was bis dahin nur in Gedanken bzw. als Formeln existierte.

Wenn ich richtig informiert bin, dann gehen Sie davon aus, dass unser Universum mit dem Urknall begann und Schwarze Löcher das Ende von allem sein werden. Denken Sie, dass es der Wissenschaft eines Tages gelingen wird, auch die Frage nach dem „Warum“ des Lebens zwischen diesen beiden unvorstellbaren Extremen zu beantworten?

Prof. Dr. Heino Falcke: Ich kann mir vorstellen, dass wir irgendwann verstehen, wie das Leben begonnen hat, was heute noch eine große Frage ist. Warum das Universum entstanden und so eingerichtet ist, dass Leben entstehen konnte – diese Frage kann die Wissenschaft nicht beantworten.

In diesem Zusammenhang muss ich an ein Bild denken, das Stephen Hawking einmal gedanklich zeichnete, indem er die so genannte Feinabstimmung mit einem Bleistift verglich, der mit seiner Spitze ausbalanciert auf der Schnittkante einer Rasierklinge steht. Und zwar nicht nur auf einer Rasierklinge, sondern auf insgesamt 1055 (eine 1 mit 55 Nullen) übereinanderstehenden Rasierklingen!

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Prof. Dr. Heino Falcke: Wenn man relativ viele Planeten, viele Sterne oder sogar Universen hat, ist es durchaus möglich, dass so etwas passiert, auch die unwahrscheinlichsten Dinge. Es beantwortet aber immer noch nicht die Frage nach dem „Warum“ und das Entscheidende ist ja, dass es nicht nur der Zufall ist, der hier wichtig ist, sondern dass auch die Naturgesetze so zusammenspielen, dass am Ende Leben möglich ist und das ist etwas, was man nicht quantifizieren kann; man kann es also nicht ausrechnen, wie wahrscheinlich so etwas ist.

Die Verbindung zwischen Schwarzen Löchern und Schöpfung

Sie sind nicht nur Astrophysiker und Radioastronom, sondern auch ehrenamtlicher evangelischer Prediger. Was lehrt für Sie der Glaube, was die Wissenschaft nicht kann?

Prof. Dr. Heino Falcke: Der Glaube lehrt einen, über die eigenen Grenzen hinauszudenken, über die Grenzen seines eigenen Lebens. Er gibt einem Lebenserfahrungen mit von Menschen aus vielen Generationen vor einem, die mit den verschiedensten Krisensituationen zu kämpfen hatten, die ihren Platz im Leben finden mussten.

Das Leben ist voller Geheimnisse, die die Wissenschaft nicht lösen kann und der Glaube gibt einem die Möglichkeit, mit diesen Unsicherheiten und Geheimnissen des Lebens umzugehen und Vertrauen zu fassen, dass wir trotz allem Schlimmen, was wir in der Welt erleben, aus der Hand eines guten Schöpfers kommen, zu dem wir vielleicht irgendwann auch wieder zurückkehren.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich …”

Prof. Dr. Heino Falcke: Gebet ist für mich ein tiefes Gespräch mit Gott, das ich in manchen Zeiten viel zu wenig führe.

Ich danke für das Gespräch.

Ergänzung zum Interview:
Am 3. Oktober 2025 traf PromisGlauben-Chefredakteur Markus Kosian den Astrophysiker und Bestsellerautor Prof. Dr. Heino Falcke im Planetarium in Stuttgart zum Interview über sein neues Buch „Zwischen Urknall und Apokalypse – Die große Geschichte unseres Planeten“. Zwischen dem preisgekrönten Astrophysiker, dem 2019 mit seinem Team das erste Foto eines schwarzen Lochs im Universum gelang, und Markus Kosian entwickelte sich ein Gespräch, das nachspüren lässt, welche Kraft und Energie Gott in unser Universum, in unsere Welt und in unsere Herzen hineingelegt hat. Das ganze Interview ist bei YouTube zu sehen.

(Hinweis zu dem verwendeten Foto von Prof. Dr. Heino Falcke: Die Bildrechte liegen bei Boris Breuer.)

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