Ein Gespräch mit Melanie Köhne
Bis vor etwa fünf Jahren arbeitete Melanie Köhne als freiberufliche Redakteurin für regelmäßige TV-Formate wie »DAS!« im NDR Fernsehen. Zudem war sie für die erfolgreichen Talk-Sendungen »Beckmann« sowie »Tietjen und Bommes« tätig. Danach wechselte sie als PR-Managerin die Seite und arbeitete zunächst für einen Buchverlag, bis sie zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland kam. Seither ist sie als Presse- und Medienreferentin in der Bischofskanzlei Hamburg aktiv.
Ich freue mich, dass Frau Köhne sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.
Frau Köhne, Sie haben lange als Redakteurin für bekannte TV-Formate gearbeitet. Was hat Sie damals an der journalistischen Arbeit am meisten fasziniert?
Melanie Köhne: Mich hat von Anfang an die Begegnung und das Gespräch mit Menschen begeistert. Ob Abenteurer, Sportlerin, Wissenschaftlerin, Schauspieler, Politikerin – jede einzelne Person hat ihre individuelle Heldenreise im Gepäck. Diese Menschen bringen Erfahrungen, Erlebnisse, manches Mal auch Verletzungen mit, die sie zu der Person haben werden lassen, die sie nun einmal sind. Und sobald ich einen kleinen Einblick in diese Leben erhaschen durfte, konnte ich von anderer Menschen Lebenserfahrung profitieren.
Ich bin sehr dankbar für viele einzigartige Momente, gemeinsam verdrückte Tränen, durchstöberte Fotoalben, herzliche Umarmungen… Einen Großteil meiner Empathie, da bin ich mir sicher, habe ich dieser „Lebensschule“ zu verdanken.
Vor fünf Jahren haben Sie einen deutlichen beruflichen Wechsel vollzogen – vom Fernsehjournalismus in die Kirche. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Melanie Köhne: Es war der „Klassiker“, würde ich sagen. Nach mehr als 25 Jahren im Job stellt sich für den einen oder die andere irgendwann die Frage, ob es beruflich noch einmal einen Richtungswechsel geben kann und auch geben soll. Das muss ja nicht zwingend eine komplette Kehrtwende sein – möglicherweise tut es ein Abbiegen ja auch.
Als Fernsehredakteurin eröffnete sich mir damals die Chance, als Co-Autorin biographische Sachbücher zu schreiben. Das war ein erstes, wunderschönes Abbiegen für mich. Und nach und nach ergaben sich auf dem Weg neue Möglichkeiten, weitere Abzweigungen folgten. Ein paar Jahre später war ich nicht nur in die Öffentlichkeitsarbeit gewechselt, sondern hatte mich auch noch bei der evangelischen Kirche beworben. Mir war klar geworden, dass ich nach so vielen Jahren im Unterhaltungsfernsehen gern etwas sinnstiftender arbeiten wollte.
Christliche Werte wie der Respekt vor allem Leben, Gerechtigkeit, Demut, Vergebung sind für mich persönlich wichtige Leitplanken und ich halte sie inzwischen für den Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Diesen Wertekanon immer wieder in Debatten einzutragen, Gemeinsinn, Naturschutz und Menschenwürde nach vorn zu stellen, Menschen zu stärken und Hoffnung zu verbreiten, das alles erscheint mir derzeit wichtig und stiftet meiner Arbeit Sinn.
Wenn Sie auf Ihre beiden Berufswege blicken – Fernsehen und Kirche: Gibt es einen roten Faden, der sich durchzieht?
Melanie Köhne: Ich sehe mich als Informationskanal. In meiner Tätigkeit als Redakteurin und Co-Autorin habe ich Biografien von Menschen zusammengefasst, verdichtet, strukturiert und durch eine ansprechende Schreibe nachvollziehbar und nachspürbar gemacht. Durch mich wurden die Informationen entweder an Moderatorinnen und Moderatoren zu deren Sendungsvorbereitung oder an die Leserinnen und Leser eines Buches geleitet.
Auch heute kanalisiere ich weiterhin Informationen. Die Themen, die der Bischöfin am Herzen liegen oder die unserer Nordkirche wichtig sind, versuche ich verständlich, glaubwürdig und zielorientiert zumeist an Journalistinnen und Journalisten weiterzugeben. In Zeiten wachsender Unsicherheiten, Krisen und Kriegen, gesellschaftlicher Spaltung habe ich dabei durchaus das Gefühl, einer wichtigen Stimme in unserem menschlichen Miteinander den Weg zu ebnen.
Sie haben einmal betont, dass es Ihnen wichtig ist, nicht nur kirchennahe Zielgruppen, sondern auch Menschen außerhalb der „Bubble“ zu erreichen. Wie gelingt dieser Sprung heraus aus der eigenen Blase in der Praxis?
Melanie Köhne: Es braucht definitiv noch einiges an Training und das regelmäßige Üben des Absprungs – um in der Sprache des Sports zu bleiben. Klassische Öffentlichkeitsarbeit über Zeitungen und Zeitschriften, Fernseh- oder Radiointerviews funktioniert immer weniger, wenn kirchliche Themen in einer zunehmend säkularisierten Welt keine große Rolle in den Redaktionen mehr spielen. Es gilt also, andere Kanäle zu finden und zu etablieren, um auch kirchenfernere Menschen zu erreichen.
An zahlreichen Stellen unserer Kirche machen sich Menschen intensiv und professionell Gedanken dazu; da bin ich nur eine von vielen. Soziale Medien sind ein wichtiges Stichwort. Aber auch immer wieder ganz reale Kontaktflächen zu Menschen zu schaffen und diese dann für eine breitere Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen, bleibt eine Kernaufgabe.
Wenn beispielsweise Kirchenräume für Kunst- und Kulturveranstaltungen geöffnet werden, wenn der Taufgottesdienst am nächstgelegenen See unter freiem Himmel stattfindet oder sich 17.000 Blechbläser zum Deutschen Evangelischen Posaunentag treffen, dann ist das auch heute noch in den Medien eine Geschichte wert.
Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich …”
Melanie Köhne: Gebet ist für mich ein Innehalten, ein Stillwerden. Einatmen, ausatmen. Sich selbst spüren, die eigenen Gedanken mit Gott teilen. Und aus dem Moment der Zwiesprache gestärkt wieder auf andere Menschen zugehen können.








