Franziska Harter ist Chefredakteurin der „Tagespost“, einer überregionalen, katholischen Zeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur, die wöchentlich im Johann Wilhelm Naumann Verlag erscheint.
Ich freue mich, dass Frau Harter sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.
Frau Harter, was bedeutet es für Sie persönlich, eine katholische Zeitung in einer zunehmend säkularen Gesellschaft zu verantworten?
Franziska Harter: Die Redaktion der „Tagespost“ zu leiten, ist für mich nicht nur ein Beruf, sondern Teil einer viel größeren Aufgabe, nämlich den Glauben an Jesus Christus auch über die Medien zu den Menschen zu bringen. Glaube wird durch lebendige Zeugen weitergegeben, nicht durch den toten Buchstaben. Eine Zeitung zu lesen oder ein Video anzuschauen ersetzt zwar nicht die echte Begegnung, kann aber Orientierung schenken, Mut machen, inspirieren und zur Begegnung hinführen.
In einer zunehmend säkularen Welt ist es umso wichtiger, dass sich überzeugte Christen zu Wort melden. Das betrifft vor allem auch politische und gesellschaftliche Themen wie Ehe und Familie, Lebensschutz und Bioethik, Menschenwürde und Solidarität, die in unserer Gesellschaft hinauf- und hinunter debattiert werden. Dort gilt es, zu zeigen, dass der „christliche“ Blick auf den Menschen – Stichwort: christliches Menschenbild – wahr ist und dass das, was das katholische Lehramt daraus ableitet – Stichwort: katholische Soziallehre – das Beste ist, was dem Menschen passieren kann, egal ob gläubig oder nicht.
Auf dem YouTube-Kanal „Die Tagespost“ beschreiben Sie in dem Beitrag „Weihnachten ohne Christus – Was bleibt dann?“ sehr treffend, wie der Kern des Festes zunehmend von weltlichen Interessen überlagert wird. Ich denke, wir sind uns einig, dass das Osterfest dasselbe Schicksal ereilt. Was geht Ihrer Meinung nach verloren, wenn solche christlichen Feiertage im öffentlichen Bewusstsein immer stärker zu einem Winter-, Lichter- oder Frühlingsfest werden?
Franziska Harter: Was uns verloren geht? Nichts weniger als die Hoffnung auf die Erlösung! Und zwar wörtlich: Denn an Ostern feiern wir, dass der Sohn Gottes selbst unsere Sünden auf sich genommen und sein Leben für uns hingegeben hat, um uns zu erlösen. Wir Menschen sind dazu berufen, Jesus Christus als unseren Retter zu erkennen und nach unserem Tod mit ihm aufzuerstehen zu einem ewigen Leben der Glückseligkeit bei Gott – jenseits aller Not, Verzweiflung und Grausamkeit auf dieser Erde. Das ist keine leere „Feel good“-Botschaft, sondern eine Zuversicht, auf der man sein Leben bauen kann, auch und gerade dann, wenn nicht alles rund läuft. Wir Christen dürfen diese Botschaft nicht für uns behalten, denn sie ist für alle Menschen bestimmt. Deshalb dürfen wir auch nicht zulassen, dass der Sinn der christlichen Feste in Vergessenheit gerät.
Wir dürfen auch eines nicht vergessen: Kunstwerke, Musikstücke, Bauten – ein Großteil dessen, was uns vergangene Jahrhunderte an Wunderbarem hinterlassen hat, ist ohne die christliche Botschaft unverständlich. Wer Letztere leichtfertig über Bord wirft, nimmt auch in Kauf, dass die Menschen ihre eigene Zivilisation nicht mehr verstehen. Als ob es nicht bereits genug Orientierungslosigkeit gäbe.
Wie gelingt es Ihnen, Treue zur kirchlichen Lehre und journalistische Unabhängigkeit miteinander zu verbinden, gerade bei kontroversen innerkirchlichen oder politischen Themen?
Franziska Harter: Als Christen und als Journalisten sind wir bei der „Tagespost“ der Wahrheit verpflichtet. Ich war noch nie in einer Situation, in der ich zwischen meinem Glauben an Jesus Christus und meinem journalistischen Ethos hätte entscheiden müssen.
Es gibt da ja das verbreitete Missverständnis, man könne nicht gleichzeitig ein gläubiger Mensch und ein vernünftig denkender sein. Tatsächlich ist es doch so, dass jeder Mensch eine bestimmte Weltsicht hat, eine Art Koordinatensystem, vor dessen Hintergrund er die Wirklichkeit interpretiert und einordnet. Jeder Journalist sollte sich seiner eigenen Weltsicht bewusst sein und ordentlich trennen können zwischen seiner persönlichen Meinung und sachlicher, tatsachenorientierter Berichterstattung.
Als Katholikin gehört die katholische Lehre zu meiner Weltsicht. Das hindert uns als „Tagespost“ nicht daran, wahrheitsgemäß auch über Missstände in der Kirche oder falsche Handlungen kirchlicher Repräsentanten zu berichten. Wichtig ist bei beidem – aber das gilt eigentlich auch für alle anderen Themen – sich dabei nicht im Ton zu vergreifen.
Was braucht es Ihrer Meinung nach, damit katholische Medien auch für jüngere Generationen relevant bleiben, ohne sich in Anbiederung oder Vereinfachung zu verlieren?
Franziska Harter: Ich glaube, die junge Generation hat feine Antennen dafür, zu merken, wann sich jemand anbiedert und wann jemand authentisch ist. Katholische Medien – oder überhaupt, das Christentum – werden dann relevant bleiben, wenn sie keine fromme PR machen, sondern ein authentisches Zeugnis von der Existenz Gottes und der Erlösung durch Jesus Christus ablegen.
Es ist ein großes Missverständnis, zu meinen, man müsse den Glauben vereinfachen oder irgendwie anpassen, damit junge Menschen ihn verstehen. Ich glaube das Gegenteil ist der Fall: Gerade die Tatsache, dass der christliche Glaube mit seinen jahrhundertealten Botschaften und Riten so sehr aus dem Alltag heraussticht und eben etwas ganz anderes sagt, als das, was junge Menschen tagaus, tagein über Medien, Werbung und so weiter hören, macht den Glauben attraktiv. Dafür spricht, dass junge Menschen auch im Westen wieder häufiger zur Bibel greifen oder in den Gottesdienst gehen und gerade traditionelle Formen des Glaubenslebens Zulauf erhalten.
Katholische Medien müssen daher drei Dinge tun, um relevant zu bleiben: Sie müssen den authentischen katholischen Glauben verkünden, sie müssen es dort tun, wo die jungen Menschen sind – online und offline, und sie müssen ästhetisch und qualitativ hochwertig sein. Und idealerweise sollten sie einen Weg aufzeigen, wie man den Glauben in Gemeinschaft leben kann.
Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich …”
Franziska Harter: Gebet ist für mich wie klare, frische Bergluft. Ohne Sauerstoff erstickt mein Körper. Ohne die Beziehung zu Gott durch das Gebet würde meine Seele langsam aber sicher an den täglichen Sorgen und Ablenkungen, Pflichten und Zerstreuungen ersticken. Das Gebet hebt mich immer wieder aus alldem heraus und hilft mir dabei, aus Gottes Perspektive auf das eigene Leben zu blicken.
(Hinweis zu dem verwendeten Foto von Franziska Harter: Die Bildrechte liegen bei Tagespost.)








