Mit Evie auf einen Kaffee – mobile Seelsorge in Düsseldorf

Evie Mobil

Es ist der 16. Mai 2025, 10 Uhr. Ich stehe auf dem kleinen Friedensplätzchen in Düsseldorf und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen, während um mich herum ein paar Menschen plaudernd beisammenstehen. In der Mitte des Platzes hat sich „Evie“ aufgestellt, der kleine weiße Flitzer, der Kaffee, Kakao, Tee und Wasser im Gepäck hat.

Seit drei Jahren nutzen die Evangelische Kirche und die Diakonie das ungewöhnliche Fahrzeug, um mit den Menschen in Düsseldorf ins Gespräch zu kommen. „Evie“ ist das erste elektromobile Diakonie- und Kirchencafé Deutschlands. In den wärmeren Monaten des Jahres macht „Evie“ an ganz unterschiedlichen Orten Station – auf Märkten, an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, am Hauptbahnhof oder wie heute hier auf dem Friedensplätzchen. Und überall, wo „Evie“ auftaucht, versammeln sich die unterschiedlichsten Menschen, um bei einer guten Tasse Kaffee über Gott und die Welt zu reden.

Von „Limetti“ zu „Evie“

Die Idee zur mobilen Seelsorge stammt von Peter Krogull, Pfarrer im Evangelischen Kirchenkreis Düsseldorf. Während der COVID-19-Pandemie stellte er schnell fest, wie sehr die Menschen unter den eingeschränkten sozialen Kontakten litten. Inspiriert wurde er durch „Limetti“, ein knatschgrünes, dreirädriges Piaggio Ape-Gefährt, das in Hattingen im Einsatz war. Dort hatte man schon früh erkannt, dass es viel leichter ist, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, wenn die Atmosphäre locker ist – und Kaffee oder Tee bereitstehen.

„Ich dachte: Das ist ein toller seelsorgerischer Ansatz!“, erzählt Peter Krogull. „Also habe ich Kontakt aufgenommen, und wir konnten ‚Limetti‘ für eine Probewoche nach Düsseldorf holen. Und was soll ich sagen? Diese Woche war ein voller Erfolg!“

Evie auf dem Friedensplätzchen im Einsatz
Foto: Achim Beiermann

Als „Limetti“ zurück nach Hattingen ging, stellte die AG Seelsorgenetzwerk des evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf einen Antrag auf ein eigenes Gefährt – diesmal elektrisch. Wenige Monate später rollte „Evie“ in einer sächsischen Firma vom Band, finanziert je zur Hälfte vom Düsseldorfer Kirchenkreis und der Diakonie Düsseldorf.

Ein rollendes Café mit Herz

Hier auf dem Platz machen währenddessen ein paar Ehrenamtliche das Gefährt liebevoll einsatzbereit und schon wenige Minuten später verströmt der Kaffeevollautomat sein Verwöhn-Aroma, während sich vor „Evie“ langsam eine kleine Schlange bildet. Ich frage Peter Krogull nach der Zielgruppe, die er erreichen möchte.

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„Hier kommen viele vorbei, die nur wenig oder gar nichts mit Kirche am Hut haben“, erzählt er. „Manche merken zunächst gar nicht, dass hinter dieser Aktion die evangelische Kirche und die Diakonie stehen. Wir drängen niemandem ein Gespräch auf – aber viele sind neugierig, bleiben stehen und erzählen von sich und ihren Erfahrungen mit Kirche.“

Ein Beispiel hat Peter Krogull sofort parat: „Ich erinnere mich an eine Studentin, mit der ich beim Stichwort ‚Seelsorge‘ ins Gespräch kam. Sie erzählte mir, dass ihr Vater vor Kurzem verstorben war – und dass sie nicht wusste, wohin mit ihrer Trauer. Zum Glück fiel mir ein, dass wir über die Evangelische Studierendengemeinde Düsseldorf ein gutes Trauerprojekt anbieten.“

Gespräche, die guttun

Rund 25 bis 30 Mal im Jahr, zwei- bis dreimal im Monat, ist „Evie“ unterwegs. Betreut wird sie von zwei Teams: Ein technisches Team sorgt dafür, dass der Kaffeeautomat läuft, während ein weiteres Team aus rund 20 ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern – von Peter Krogull selbst geschult – für die Gespräche zuständig ist.

Inzwischen ist es fast Mittag. Viele Gespräche wurden bereits geführt – nicht jedes davon war tiefgehend oder bewegend, aber jedes war gut. Vielleicht hat es jemanden zufriedener gemacht. Vielleicht sogar ein kleines bisschen glücklicher.

Ich verabschiede mich von Peter Krogull, mit dem ich mittlerweile per Du bin, und mache mich beschwingt auf den Heimweg – mit dem feinen Duft von frisch gemahlenem Kaffee in der Nase.

Hinweis: Das ganz oben verwendete Foto zeigt Michael Horster (links), ehrenamtlicher Mitarbeiter im Evie-Orga-Team, und Pfarrer Peter Krogull (rechts). Die Bildrechte liegen bei evdus.

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