„Ich wollte schon als Kind Pfarrerin werden“

Miriam Hackländer

Miriam Hackländer ist evangelische Theologin und arbeitet mit großer Leidenschaft auf ihr Ziel hin, Pfarrerin zu werden. Sie setzt sich dabei besonders für Selbstermutigung und Feminismus ein. Ihr Anliegen ist es, christliche Werte für eine junge Generation lebendig, ehrlich und relevant zu machen. Als Hilfsmittel nutzt sie ihren Instagramauftritt @zwischen_himmel_und_hoelle, dem über 3.000 Menschen folgen, sowie den YouTube-Kanal „Hier“ mit mehr als 30.000 Abonnenten.

Ich freue mich, dass Miriam Hackländer sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.

Frau Hackländer, warum haben Sie sich entschieden, Theologie zu studieren – gab es einen Moment, der dafür ausschlaggebend war?

Miriam Hackländer: Dass ich Theologie studieren möchte, war für mich schon lange klar. Während Andere als Kind Tierärztin oder Polizistin werden wollten, wollte ich Pfarrerin werden. Später konnte ich mir „nur“ noch vorstellen, Theologie auf Lehramt zu studieren, da ich mir den Pfarrberuf nicht mehr zutraute. Dann, kurz nach meinem Abi, bevor ich mich für die Uni einschreiben konnte, träumte ich, dass ich predigte. Völlig erfüllt wachte ich auf und wusste: Ich will Pfarrerin werden und habe mich dann direkt für das Studium der ev. Theologie auf kirchliches Examen eingeschrieben und es nie bereut.

Gab es in Ihrem Studium oder auf Ihrem Glaubensweg Momente des Zweifelns – und wie sind Sie damit umgegangen?

Miriam Hackländer: Das Studium ist lang, keine Frage, da ist auf jeden Fall Platz für Zweifel. Zudem sind die Sprachen (Althebräisch, Altgriechisch, Latein) erst mal zu bewältigen. Außerdem ist in den acht Jahren meines Studiums auch privat viel passiert, wie z.B. meine Endometriose-Diagnose, solche Dinge müssen verarbeitet werden, brauchen Raum und Zeit. Allerdings habe ich das Studium als vielseitig erfahren und wusste immer, dass das mein Beruf ist, das hat mich sehr getragen.

In meinem Glauben gehören Zweifel ganz natürlich mit dazu, ich glaube sobald Menschen sich das eingestehen und davon frei machen, dass sie „immer perfekt glauben müssen“ kann so viel Schönes passieren: Austausch mit Anderen, Gebet für einen selbst und das Schönste: Nach dem Zweifel die ganz konkrete Entscheidung wieder für Gott, was dem Glauben einen Aufschwung verleiht.

Sie haben es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, offen über Selbstermutigung und Feminismus zu sprechen. Warum sind Ihnen diese Themen so ein besonderes Anliegen und wie verbinden Sie sie mit Ihrem christlichen Glauben?

Miriam Hackländer: Feminismus ist für alle da, für mich als Cis-Frau, für dich, für jeden der nach Gleichberechtigung strebt, der nicht nur möchte, dass weiblich gelesene Menschen schön und männlich gelesene Menschen stark sein müssen. Feminismus ist die einzige Antwort für mich, da für mich alle Menschen gleich wertvoll sind.

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Dieses wertvolle Sein spiegelt sich auch in meinen täglichen Ermutigungen, dem „Morgenwunsch“ auf Instagram wider, das kann z.B. sein, „Ich wünsche dir heute, dass du jemandem klar sagst, was du brauchst und für deine Bedürfnisse einstehst.“ Meine Selbstermutigungen sind dafür da, wirkliche Selbstliebe zu haben, weil wir von Gott geliebt sind und von Gott den manchmal gar nicht so leichten Auftrag haben uns selbst zu lieben.

Alles im Leben wird schlimmer, wenn du alleine bist und alles wird erträglicher, wenn du dich nicht alleine fühlst.

Wenn Sie einer jungen Person, die gerade nach Sinn, Halt oder Orientierung sucht, einen Gedanken mitgeben könnten – welcher wäre das?

Miriam Hackländer: Alles im Leben wird schlimmer, wenn du alleine bist und alles wird erträglicher, wenn du dich nicht alleine fühlst. Mute dich anderen zu, zeig ihnen, wer du bist und was dich umtreibt. Hör nicht auf zu suchen, ich glaube suchen ist ganz wundervoll, weil es uns antreibt und zeigt: Da geht noch mehr. Ich meine damit nicht: Optimiere dich, sondern ich meine, allein, dass du suchst zeigt doch, dass dir gerade etwas fehlt.

Mir hilft, dass ich Gott immer an meiner Seite habe, dass Gott da ist, einfach so, bei meinem Schmerz, meiner Freude, alles und dass ich nichts erklären muss. Deswegen bete ich auch, weil ich durch Gott nicht alleine bin, sondern in Gemeinschaft. Und ja, egal was dich umtreibt, du darfst auch beten.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich …”

Miriam Hackländer: Gebet ist für mich erzählen, bitten, schweigen, singen und innehalten. Gebet ist für mich eine der schönsten Sachen der Welt, weil die Hände nicht gefaltet sein müssen, die Stimme nicht erhoben sein muss, weil es leise sein darf, aber nicht muss, weil ich wütend oder traurig sein kann, und: weil ich da zu Gott kommen darf – immer wieder.

Ich danke für das Gespräch.

(Hinweis zu dem verwendeten Foto von Miriam Hackländer: Die Bildrechte liegen bei Johanna Gnadenstein.)

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