Männer machten die Apostelin Junia zum Mann

Jutta Laege

Jutta Laege ist Chefredakteurin der Zeitschrift “Junia”, die Menschen mehrerer Generationen als “Frau und Mutter” bekannt sein dürfte. Außerdem ist sie Leiterin der Abteilung Kommunikation der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). Ich freue mich, dass Frau Laege sich die Zeit für dieses Interview genommen hat.

Frau Laege, ich bin jetzt schon einige Jahre im Ruhestand, kann mich aber noch sehr gut erinnern, dass schon meine Mutter “Frau und Mutter” abonniert hatte, als ich im Kindesalter war. Wie alt ist die Zeitschrift inzwischen und noch wichtiger: Warum haben Sie den vertrauten Titel, der so vielen Menschen bekannt war, in “Junia” umbenannt?

Jutta Laege: Wie schön, dass Sie sich noch erinnern können! Ich habe ähnliche Erinnerungen an meine Kindheit. Und so geht es wahrscheinlich vielen, die in katholisch geprägten Haushalten groß geworden sind, denn die Zeitschrift “Frau und Mutter” gab es tatsächlich 103 Jahre – mit einer Unterbrechung in der Zeit des Nationalsozialismus. Da durfte sie nicht erscheinen.

Ich finde es großartig, dass die meisten kfd-Frauen den modernen Titel “Junia” und die zeitgemäßere Gestaltung so wunderbar mitgetragen und unterstützt haben.

In den vergangenen zehn Jahren wurden in unserem Verband die Stimmen lauter, dass es einen modernen Titel und eine zeitgemäßere Gestaltung geben müsse. Gerade jüngere Frauen und auch die, die keine Mütter sind, fühlten sich durch den Titel gar nicht angesprochen. Und ich finde es großartig, dass die meisten kfd-Frauen diese doch einschneidende Veränderung so wunderbar mitgetragen und unterstützt haben. Das hat mir gezeigt, wie fortschrittlich, lebendig und mutig die kfd sein kann. Und ganz ehrlich: Das war mehr als eine “Verjüngungskur”, das war ein Statement: Wir trauen uns das zu und wir können das!

Die Zielgruppe ist vermutlich dieselbe geblieben, aber worin unterscheidet sich “Junia” inhaltlich von “Frau und Mutter”?

Jutta Laege: Zeitschriften verändern sich immer – inhaltlich und gestalterisch. Das war auch in den 103 Jahren von “Frau und Mutter” so. Das ist ja das Spannende: Sie sind ein Spiegel ihrer Zeit. Wir haben auch eine Rubrik “Weißt du noch” eingeführt, in der wir für unsere Leser*innen in den Archiven von “Frau und Mutter” blättern. Was Junia betrifft, ist sie die Verbindung von früher zu heute. Sie trägt den Untertitel “Frau und Mutter hat jetzt einen Namen”.

Das war uns wichtig: Mit dem Namen der Apostelin Junia, die über Jahrhunderte in der Bibel nicht sichtbar war, weil Männer sie zum Mann, zu “Junias”, gemacht haben, wollen wir die Stimme der Frauen in Kirche und Gesellschaft verstärken. Und Sie ahnen es: So sind die Themen in Junia natürlich kirchen- und gesellschaftspolitische Frauenthemen.

Aber Junia ist auch spirituell, es gibt Impulse, Anregungen, Geschichten, die zum Nachdenken anregen, vor allem die Schöpfungsbewahrung spielt eine große Rolle. Die Aufmachung ist bunter und gefälliger, weil heute anders gelesen wird. Die Inhalte richten sich nach dem, was heute passiert und interessiert – das haben wir mit “Frau und Mutter” aber auch so gehalten.

Frauen sind in Kirche und Gesellschaft an vielen Stellen immer noch benachteiligt.

Ich möchte jetzt nicht den Begriff “Mission” im Sinne eines Auftrags verwenden, aber gibt es für Sie ein besonderes Thema, ein Herzensanliegen, das Sie den Leserinnen und Lesern mit Hilfe von “Junia” näher bringen möchten?

Jutta Laege: Zunächst einmal möchten wir, dass Junia gerne zur Hand genommen und gerne darin gelesen und geblättert wird, dass sie auch weiter gereicht wird, um andere Frauen zu begeistern. Sie ist das Mitgliedermagazin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands und so geht es selbstverständlich auch darum, den Mitgliedern die Themen, an denen die kfd arbeitet, näher zu bringen. Das sind dann, wenn Sie so wollen, aus Frauenperspektive ganz viele Herzensanliegen, denn Frauen sind in Kirche und Gesellschaft an vielen Stellen immer noch benachteiligt.

Spielt auch das Thema “Gebet” in Ihrer Zeitschrift hin und wieder eine Rolle?

Jutta Laege: Immer wieder. Die Impulse und Frauenworte, die wir auf vielen Seiten mitgeben, sind unsere Art, Gebete zu präsentieren.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich…”

Jutta Laege: Gebet ist für mich in der Stille nach Hilfe und Beistand suchen oder Danke zu sagen, weil ich göttliche Kraft und Unterstützung spüren und erfahren durfte.

Ich danke für das Gespräch.

(Hinweis zum oben verwendeten Foto von Frau Jutta Laege: Die Bildrechte liegen bei der kfd.)


Die nächsten Interviews mit:

  • Dr. Christian Weingarten, Umweltbeauftragter des Erzbistums Köln 
  • Anke Prumbaum, Pfarrerin und Sprecherin des Worts zum Sonntag bei der ARD (Das Erste) 
  • Prof. Daniel Bogner, Moraltheologe an der Theologischen Fakultät der Universität Fribourg 

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