Jedes Jahr gibt es einen Tag, von dem viele Menschen noch nie gehört haben – und der uns doch alle betrifft: den Erdüberlastungstag.
Er markiert symbolisch den Zeitpunkt, an dem wir Menschen alle natürlichen Ressourcen verbraucht haben, die unsere Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann. In diesem Jahr fiel dieser Tag auf den 30. Juli. Mit anderen Worten: Seit diesem Tag leben wir gewissermaßen auf Kosten der Zukunft. Noch Anfang der 1970er-Jahre lag der Erdüberlastungstag erst Ende Dezember. Heute verbrauchen wir deutlich mehr Ackerflächen, Wälder, Fischbestände und andere natürliche Ressourcen, als unser Planet langfristig verkraften kann.
Als Christ musste ich dabei unwillkürlich an einen Satz aus der Bibel denken, der immer wieder zitiert wird: „Macht euch die Erde untertan.“ Hat Gott uns damit tatsächlich einen Freibrief gegeben, die Natur nach Belieben auszubeuten? Wird er am Ende schon irgendwie dafür sorgen, dass alles wieder ins Lot kommt?
Herrschen oder verantwortlich handeln?
Tatsächlich wurde dieser Bibelvers über lange Zeit genau so verstanden. Der Mensch galt als Herrscher über die Natur. Was ihm nützte, durfte er sich nehmen. Die Folgen dieser Sichtweise begegnen uns heute an vielen Stellen: abgeholzte Wälder, verschmutzte Meere, schwindende Artenvielfalt und ein Ressourcenverbrauch, der die Belastungsgrenzen unseres Planeten immer deutlicher überschreitet.
Dabei lohnt sich ein zweiter Blick in die Bibel. Denn schon wenige Verse später, im zweiten Schöpfungsbericht, erhält der Mensch einen weiteren Auftrag. Dort heißt es, Gott setzte den Menschen in den Garten Eden, damit er ihn „bebaut und bewahrt“. Diese beiden Worte gefallen mir. Bebauen bedeutet gestalten, nutzen und entwickeln. Bewahren bedeutet schützen, erhalten und sorgsam mit dem umzugehen, was uns anvertraut wurde. Beides gehört zusammen.
Die Erde gehört nicht uns
Auch die christliche Theologie hat ihr Verständnis dieser Bibelstelle längst weiterentwickelt. Der Mensch wird heute nicht mehr als uneingeschränkter Herrscher über die Schöpfung verstanden, sondern eher als Treuhänder oder Hirte Gottes.
Dieser Gedanke gefällt mir sehr. Ein Treuhänder besitzt das, was ihm anvertraut wurde, nicht selbst. Er trägt Verantwortung dafür und weiß, dass er einmal Rechenschaft ablegen muss. Vielleicht verändert allein dieser Perspektivwechsel schon unseren Blick auf die Welt.
Wir sprechen oft von „unserer“ Erde. Tatsächlich ist sie aber nicht unser Eigentum. Wir haben sie von den Generationen vor uns übernommen und werden sie eines Tages an die Generationen nach uns weitergeben. Welche Erde möchten wir ihnen hinterlassen?
Dankbarkeit verändert den Blick
Natürlich wird keiner von uns den Erdüberlastungstag allein nach hinten verschieben. Die großen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen liegen meist nicht in unserer Hand. Aber unser Alltag schon. Vielleicht überlegen wir zweimal, bevor wir etwas wegwerfen, das sich noch reparieren lässt. Vielleicht kaufen wir bewusster ein oder gehen sorgsamer mit Lebensmitteln um. Vielleicht steigen wir für kurze Strecken aufs Fahrrad oder gehen einfach zu Fuß.
Ich glaube allerdings, dass der eigentliche Antrieb dafür nicht ein schlechtes Gewissen sein sollte, sondern Dankbarkeit. Die Schöpfung ist kein Selbstbedienungsladen, sondern ein Geschenk. Und mit Geschenken geht man normalerweise sorgsam um.
Vielleicht bedeutet „Macht euch die Erde untertan“ deshalb gar nicht, möglichst viel aus ihr herauszuholen. Vielleicht bedeutet es vielmehr, Verantwortung für das zu übernehmen, was Gott uns anvertraut hat. Denn wer einen Garten liebt, wird ihn nicht ausbeuten. Er wird ihn pflegen.








