Lena Lankes ist Mitglied des landeskirchlichen Teams, das den 40. Deutschen Evangelischen Kirchentag 2027 in Düsseldorf vorbereitet. Ihre Aufgabe liegt in der regionalen Öffentlichkeitsarbeit bei der gastgebenden Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR).
Ich freue mich, dass Lena Lankes sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.
Frau Lankes, der nächste Kirchentag findet vom 5. bis 9. Mai 2027 in Düsseldorf statt. Die Losung steht bereits seit November 2025 fest und lautet: „Du bist kostbar“. Was konkret verbirgt sich dahinter?
Lena Lankes: Du bist kostbar“ (Jes 43,4) ist ein Zuspruch über Glaubens- und Meinungsgrenzen hinweg, der dem biblischen Buch Jesaja entstammt. Bereits Ende September wurde sie durch die ehrenamtliche Präsidialversammlung des Kirchentages als Überschrift und roter Faden für den 40. Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf festlegt. Über 1.000 einzelne Veranstaltungen wie Konzerte, Debatten, Ausstellungen, Workshops und Gottesdienste werden durch die Losung inhaltlich verbunden.
Präses Thorsten Latzel fasst die Bedeutung der Losung für die evangelische Kirche im Rheinland zusammen: “So wollen wir als gastgebende Landeskirche allen Gästen und ehrenamtlichen Aktiven begegnen: Egal, wer du bist, woher du stammst, wen du liebst, wie du aussiehst: Schön, dass Du kommst. Du bist kostbar für Gott – und für uns! Nur mit dir, mit euch wird der Kirchentag zu einem inspirierenden, lebendigen, vielfältigen Ereignis. Eine gute Gastgeberin zu sein, ist für uns als Evangelische Kirche im Rheinland Teil unserer rheinischen DNA und unseres evangelischen Selbstverständnisses. Du bist kostbar – ich glaube, dass wir mit diesem Blick auf andere einen wichtigen Beitrag zu einer offenen, menschenfreundlichen Gesellschaft leisten können.“
Weitere Informationen zur Losung finden Sie in der Pressemitteilung.
Der Kirchentag 2025, der in Hannover stattfand, wurde von vielen als zu stark politisiert empfunden. Wird es 2027 bewusst eine etwas andere Ausrichtung geben und wenn ja, in welche Richtung wird es gehen?
Lena Lankes:
Der Eindruck einer starken Politisierung beim Kirchentag 2025 ist uns bewusst – und wir nehmen diese Rückmeldungen ernst. Der Kirchentag bietet seit seiner Entstehung, eine Plattform des Dialogs und der Begegnung für politische sowie geistliche Fragen und befindet sich damit auch bewusst im Spannungsfeld gesellschaftspolitischer Verantwortung. Daraus ist der evangelische Kirchentag 1949 entstanden.
Auch 2027 möchten wir Räume schaffen, die für unterschiedliche Perspektiven, Meinungen und Hoffnungen den Dialog fördern und Gemeinschaft erlebbar machen. Der Erfolg des Kirchentags zeigt, religiöses Bekenntnis und politische Bildung eingebettet in ein Festival schließen sich nicht aus, sondern sind in erfolgreicher Weise integriert. Als Plattform für die Gesellschaft bewegt sich auch der Kirchentag immer im Spannungsfeld unterschiedlicher Erwartungen zwischen Verkündigung und politischer Positionierung, die nicht immer widerspruchsfrei zusammenpassen.
Immer mehr Menschen wenden sich enttäuscht von den Kirchen ab. Wie kann ein Kirchentag unter diesen Vorzeichen noch Relevanz entfalten?
Lena Lankes: Genau dazu lädt der Kirchentag ein – Glauben anders zu erleben, orientiert an den Lebensrealitäten der Teilnehmenden, ihren Hoffnungen und unterschiedlichen Biografien, unabhängig von der Institution. Ein Festival der Vielfalt, modern, aber authentisch. Man muss kein Anhänger der Kirche sein, um Beziehung, Hoffnung und Gemeinschaft auf dem Kirchentag zu erleben. Dieses Bewusstsein möchten wir über die Veranstaltung hinaustragen – es ist wichtiger denn je, dass wir als Gesellschaft wieder zusammenfinden und Haltung zeigen, unabhängig von Unterschieden. Nicht nur aus diesem Grund sind alle eingeladen, sich selbst als Mitwirkende am Programm zu beteiligen, egal ob im geistlich-liturgischen, kulturellen oder gesellschaftspolitischen Bereich. Kirche sollte ein Ort sein, an dem alle mitgestalten – dazu bietet ein Kirchentag die Chance. Dafür kann man sich seit dem 15. März 2026 als Mitwirkende bewerben.
Wie sollen Menschen erreicht werden, die sich von der Kirche entfremdet haben oder von ihr enttäuscht sind?
Lena Lankes: Auf dem Kirchentag erlebt man die Kirche anders, weil sie von vielen Menschen mit vielfältigen Ideen getragen wird, die Kirche anders denken. Neben vielen haupt- und ehrenamtlichen Impulsgeber:innen, trägt auch der rheinische Frohsinn dazu bei, dass die Kirche sich selbst nicht so ernst nehmen wird. Man wird in der ganzen Stadt die Gemeinschaft und den Spirit vom Kirchentag erleben. Ein niedrigschwelliges Angebot, um Brücken zu bauen. Ich denke, das ist eine Chance, erlebte Enttäuschungen in dankbare Erfahrung umzuwandeln.
Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich …”
Lena Lankes: Gebet ist für mich Achtsamkeit für mich und die Menschen, die mir wichtig sind. Innehalten in stressigen Momenten, um einen Raum der Dankbarkeit, Sorge oder Hoffnung wahrzunehmen und darauf zu vertrauen, dass ich damit nicht allein bin.
Ich danke für das Gespräch.
Kontakt:
Wir hoffen, viele Menschen für den Kirchentag in Düsseldorf begeistern zu können. Über unseren Newsletter sowie unsere Website kann man sich regelmäßig über wichtige Veranstaltungen im Rahmen des Kirchentages, Programmentwicklungen und Bewerbungsfristen informieren.
Gerne nehmen wir auch persönlich Fragen und Anregungen unter kirchentag2027@ekir.de entgegen.








