Katholisch! – Zur Pfarrerin berufen

Jacqueline Straub

Jacqueline Straub ist katholische Theologin, Journalistin und Buchautorin. Sie fühlt sich – wie sie auf ihrer Website schreibt – seit ihrer Jugend zur römisch-katholischen Priesterin berufen und kämpft seit Jahren für mehr Gleichberechtigung für Frauen und Männer in der Kirche. Ich freue mich, dass Frau Straub sich zur Beantwortung der folgenden Fragen bereit gefunden hat.

Frau Straub, wie die FAZ in ihrer Ausgabe vom 30.5.2022 schreibt, fragt das Marktforschungsinstitut Trendence für eine Berufswünsche-Studie junge Menschen jedes Jahr danach, wo diese sich am ehesten bewerben würden. Den “Beruf” der Priesterin habe ich zumindest im vergangenen Jahr unter den TOP 15 nicht gefunden ;-). Wie kam es bei Ihnen schon in so frühen Jahren zu diesem ausgefallenen Berufswunsch?

Die Berufung zur Pfarrerin spüre ich seit meiner Jugend.

Jacqueline Straub: Pfarrer*n zu sein, ist ja nicht nur ein Beruf, sondern damit geht eine Berufung einher. Diese Berufung spüre ich seit meiner Jugend. Es ist eine grosse Sehnsucht, Sakramente feiern und spenden zu dürfen. Insbesondere die Eucharistie. Ich möchte Gott und den Menschen dienen, indem ich mit den Menschen unterwegs bin, sie im Glauben und Alltag begleiten darf. 

Vermutlich haben Sie schon damals diesen Wunsch nicht nur im Herzen getragen, sondern ihn gegenüber anderen, zum Beispiel den Eltern, Verwandten, Bekannten oder Freunden geäußert. Wie haben diese Menschen darauf reagiert? 

Jacqueline Straub: Ich habe sehr viel Unterstützung erfahren – auch heute noch spüre ich ganz viel Rückhalt. Darüber bin ich sehr froh und dankbar.

Hat sich bei der katholischen Kirche in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht etwas entwickelt, das Ihnen Hoffnung auf eine Verwirklichung Ihres Wunsches macht? Oder gibt es Anzeichen, die Ihnen das Gefühl vermitteln, in den nächsten 20 Jahren könnte sich etwas in Ihre Richtung bewegen?

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Jacqueline Straub: Kleine Schritte gibt es durchaus in der Kirche. Als ich vor über zehn Jahren das erste Mal öffentlich gesagt habe, dass ich Priesterin werden möchte, war ich die Einzige. Viele Frauen haben sich nicht getraut, aus Angst vor beruflichen Konsequenzen. Inzwischen sprechen immer mehr und mehr Frauen – auch international – über ihre Berufung und fordern Gleichberechtigung der Geschlechter in der Kirche.

Vikarin hält Dienst in einer evangelischen Kirche
Foto: istock/U. J. Alexander

In einer wirklich “geschwisterlichen” Kirche, wie Jesus sie gewollt hat, würde es keine Unterschiede zwischen Amtsträgern und Laien geben. Ist der Wunsch von Frauen, zur Priesterin geweiht zu werden, in einer Gemeinschaft von Christgläubigen, die keine Hierarchie kennen, nicht eigentlich obsolet?

Jacqueline Straub: Die katholische Kirche ist ein großer «Apparat», in dem es Strukturen braucht. Natürlich sind geweihte Menschen keine bessere Menschen und stehen auch nicht über nicht-geweihten Menschen. Aber dennoch glaube ich, dass es eine gewisse Struktur braucht. Aber selbstverständlich: Die Hierarchie darf nicht missbraucht werden, um Menschen zu unterdrücken.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich…”

Jacqueline Straub: Gebet ist für mich etwas wahnsinnig Schönes, denn dann begegne ich Gott auf wunderbare Weise.

Ich danke für das Gespräch.

Von Jacqueline Straub wurden mehrere Bücher veröffentlicht (Auswahl): 
“Wir gehen dann mal vor: Zeit für einen Mutausbruch.”
Erschienen am 12.10.2021 im Verlag Herder.
“Kickt die Kirche aus dem Koma: Eine junge Frau fordert Reformen jetzt.” Erschienen am 27.8.2018 im Patmos Verlag.
“Endlich Priesterin sein!: Keine Frage der Macht, sondern des Herzens”. Erschienen am 25.1.2017 im Paulus-Verlag.
“Jung, katholisch, weiblich. Weshalb ich Priesterin werden will”. Erschienen am 27.4.2016 im Publik-Forum Verlag.

(Hinweis zum oben verwendeten Foto von Jacqueline Straub: Die Bildrechte liegen bei Melanie Wetzel.)

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