Jesus ist der Roadcaptain

Jörg Fischer Holy Riders

Jörg Fischer ist Biker und war zwischen 2011-2025 in der nationalen Leitung Leiter des aus Norwegen stammenden Motorrad-Clubs HOLY RIDERS tätig,  der sich als evangelistischer Motorrad-Club versteht. Die Mitglieder sind in zweifacher Hinsicht begeistert. Erstens vom Werk Jesu Christi und zweitens – natürlich vom Motorradfahren. Jörg Fischer gestaltet Gottesdienste für Motorradfahrer und konfrontiert viele Biker mit dem Evangelium.

Ich freue mich, dass Jörg Fischer sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.

Was bedeutet es für Sie persönlich, gleichzeitig leidenschaftlicher Biker und überzeugter Christ zu sein, und welche Auswirkung hat ihr Glaube auf die Bikerszene?

Jörg Fischer: Der Glaube an Jesus hat nahezu ALLES in meinem Leben verändert. Ich sage gerne „der Gott, den ich nicht gebrauchen konnte, gebraucht plötzlich mich.“ 

Ich war gerade mal 3 Jahre wiedergeboren, als ich damals auf mein erstes Motorrad stieg. Meinen Glauben, besser gesagt das Evangelium, habe ich in der Bikerszene aber nicht gefunden. Ich suchte daher nach plumpen Methoden, dies zu ändern, und war so kurzzeitig als Einzelkämpfer unterwegs. In den 90ern habe ich dann das Biken aufgegeben. Erst 2000 stieg ich wieder auf mein Motorrad und stieß zwei Jahre später auf die HOLY RIDERS. Seitdem kann ich meine Gabe und mein Amt in der Bikerszene zur Entfaltung bringen.

Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass die HOLY RIDERS „in die Dominanz der okkulten Symbole“ in der Bikerszene einbrechen wollen. Wie erleben Sie diese Szene tatsächlich, und wie reagieren andere Biker darauf, wenn Sie so offen mit Ihrem christlichen Glauben auftreten?

Jörg Fischer: Larry Norman hatte mal einen Song geschrieben mit dem Titel: „Why should the devil has all the good music?“ Abgeleitet davon hab ich mich gefragt: „Warum hat der Teufel die Bikerszene für sich vereinahmt?“ Das ist mein Ansatz und die Biker, die durch die Symbole der Gegenseite – wie Krallenhände und Totenschädel – dominiert sind, entdecken plötzlich, dass es „auch anders geht“. Es gibt excessive Partys, es gibt Gewalt unter den Bikern – aber plötzlich gibt es auch Bikergottesdienste und Biker finden Frieden. Es gibt zwar den stark gefeierten Song „Highway to Hell“, aber es gibt auch „den schmalen Weg, der zum Leben führt„ (Mt 7,14).

Zudem lassen Krallenhände und Totenschädel wenig Raum für fröhliche Gesichter. Die Botschaft des Lebens, und darüber hinaus des ewigen Lebens, bringen den ein- oder anderen Biker jedoch zum Umdenken. 

Die BikerBibel und das Roadbook gehören zu den wichtigsten Arbeitsmitteln der HOLY RIDERS. Was erleben Sie, wenn Sie einem Biker eine solche Bibel geben? Gibt es Begegnungen, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Jörg Fischer: Oft sind die Biker überrascht, wenn sie plötzlich eine BikerBibel angeboten bekommen. Ich würde mal sagen, mindestens 33% von ihnen, nehmen diese dann auch lächelnd entgegen, und packen sie in ihre Tasche. Für die allermeisten von ihnen ist das aber mehr so eine Art Talisman. Durch die BikerBibel versprechen sie sich wohl himmlischen Beistand, wenn es mal eng wird, doch es gibt auch einige unvergessliche Berichte.

Das krasseste Erlebnis diesbezüglich hatte ich im Herbst 2015. Auf einem Parkplatz an einem Supermarkt kam ein Biker auf mich zu, und erzählte mir folgende Geschichte: 

Mein Name ist Marko. Ich war im Dezember 2014 auf einer Motrradmesse, dort hattet ihr (Holy Riders) einen Bibelpavillon. Ich schlenderte mit meinen Jungs daran vorbei, mit der festen Absicht, dass ich mir von denen nichts andrehen lasse. Plötzlich hörte ich eine deutliche Stimme: „Geh zurück, und hole dir eine BikerBibel.“

Ich dachte erst, dass einer meiner Jungs mir das gesagt hätte, als ich aber diesbezüglich nachfragte, zeigten sie mir einen Vogel und rieten mir, einfach weiterzugehen. Ich blieb aber unruhig, und ging dann doch zum Stand der HOLY RIDERS, denn es kann ja nur einer von denen gewesen sein, mir soetwas anzuraten. Also ging ich an den Stand und fragte die HOLY RIDERS sehr deutlich. „Wer von Euch hat mich aufgefordert, zurückzukommen, und eine BikerBibel mitzunhemen? – Wer hat mir hinterher gerufen?“ Die HOLYs schauten sich alle verdutzt an, und versicherten mir: „Keiner von uns hat dir das nachgerufen!“ 

Sie würden SO nicht arbeiten, versichterten sie, und ich hatte nur noch eine Erklärung. Wenn keiner meiner Jungs, und keiner von HOLYs mich aufgefordertet haben, dass ich mir ne BikerBibel besorgen soll, dann kann es letztendlich nur Gott gewesen sein, zu deutlich und zu klar war diese Stimme. Also griff ich in die Auslage, und nahm mir eine mit. 

Da lag sie nun, diese merkwürdige BikerBibel. Sie wanderte wochenlang durch mein Haus, lag mal hier und mal da, bis ich sie eines Tages ergriff und anfing, darin zu lesen. Ich war auf Anhieb faszniert von den Lebensberichten, und von den Versen des Neuen Testaments. Ich nicht mehr aufhören, das Bucgh zu studieren. Igendwann habe ich dann zu Hause mein Leben Jesus gegeben. Ich hab mich kurz danach einer Kirche angeschlossen, und wurde vor 2 Monaten getauft.

Sie schreiben, dass die lokale Gemeinde für die HOLY RIDERS eine große Bedeutung hat und Sie sogar das „Solo-Christsein“ ablehnen. Warum ist diese Verwurzelung in einer Gemeinde für Sie so wichtig – gerade in einer Zeit, in der viele Menschen zwar glauben, aber mit Kirche wenig anfangen können?

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Jörg Fischer: Die HOLY RIDERS sehen sich als als Fischer, „Menschen fischen“ ist unser Auftrag. Aber jedes Schiff, was rausfährt, braucht einen Heimathafen, so einfach ist das!

Darüberhinaus lehrt das Neue Testamt sehr deutlich, dass das Christentum keine Einzelgänger (Notfälle ausgenommen) duldet. Apg 2,42 und viele andere Stellen aus den Briefen machen eine gelebte Gemeindeverbindlichkeit mehr als deutlich.

Wenn Sie einem Menschen begegnen, der mit Kirche und Glauben eigentlich abgeschlossen hat, aber gleichzeitig offen für Sinn- und Lebensfragen ist: Was würden Sie ihm gerne über Jesus Christus sagen – und warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, sich auf ihn einzulassen?

Jörg Fischer: Auch wenn ich in meiner letzten Antwort betont habe, dass unsere Missionare alle in einer Gemeinde sein müssen, gehe ich im evangelistischen Gespräch jedoch anders vor. Denn wenn wir in einem Stadium der frühen evagelistischen Kommunikaton gleich von Gemeinde oder Kirche reden, dann ensteht schnell der Eindruck, wir wollen die Menschen für eine Sekte werben.

Aber niemand wird gerettet, wenn er zur richtigen (was auch immer das ist) Kirche gehört. Wer den Namen des Herrn anruft, der wird gerettet (Röm 10,13). Daher muss klar sein, dass wir in erster Linie nicht für eine Orgnisation, sondern für eine Person werben. Diese Person ist Jesus Christus. Wir lassen uns auf ihn ein, weil er sich selbst völlig auf uns eingelassen hat.

Denn wenn ein allmächtiger Gott aus dem Grund Mensch wurde, weil er sämtliche Facetten des Menschseins durchleben will (Heb 2,17), nur um mich zu verstehen, warum sollte ich ihm dann nicht vertrauen? Wenn er die Strafe für jede Sünde, die ich begangen habe, komplett auf sich genommen hat (Jes 53,5), warum sollte ich ihm nicht dienen? Das ist der erste evangelistische Ansatz. Man muss erstmal Christ werden, um dann zu verstehen, wie man als Christ lebt. Aber selbstverständlich wird in Fragen der Jüngerschaft (Nacharbeit) dann auch Apg 2,42 zu einem wesentlichen Thema.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich …”

Jörg Fischer: Gebet ist für mich meine Direktverbindung zu Gott, gebührenfrei und weltweit Funkloch-frei!

Ich danke für das Gespräch.

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