Helden – Menschen wie du und ich

Hans Mendl

Prof. Dr. Hans Mendl ist Inhaber des Lehrstuhls für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an der Universität Passau. Unter seiner Leitung entstand die Online-Datenbank „Local Heroes“, die Menschen vorstellt, die durch besonderes Engagement aufgefallen sind. Ich freue mich, dass Herr Mendl sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.

Herr Prof. Dr. Mendl, wie kam es zur Idee, die Online-Datenbank “Local Heroes“ anzulegen?

Prof. Dr. Hans Mendl: Die Frage ist, an welchen Gestalten und Menschen Kinder und Jugendliche Orientierung finden. Die großen Heiligen und Helden der Geschichte sind meist weit weg vom Leben heute. Wir wissen, dass auch die medialen Figuren nur eine begrenzte Rolle spielen, wenn es um Lebensorientierung geht.

Für die meisten Kinder und Jugendliche sind die Personen aus ihrem unmittelbaren Lebensumfeld – Vater, Mutter, Oma und Opa, Geschwister – die Menschen, an denen sie etwas lernen können. Die Beispiele aus unserer Datenbank tragen dazu bei, den Horizont etwas zu weiten:

Präsentiert werden Menschen „wie du und ich“, die meist ganz normal in unserer Wohlstandsgesellschaft leben, aber in einem Aspekt etwas Besonderes für andere Menschen machen und sich engagieren. Das kann zum eigenen Handeln motivieren.

Helden und Heldinnen der Geschichte sind meist weit weg vom Leben heute
Foto: Pixabay/Bharat Patil

Gleichzeitig sollte man die Personengruppen nicht gegeneinander ausspielen: Orientierung finden kann man an den Helden des Alltags ebenso wie an geerdeten Heiligen, biblischen Personen oder auch medialen Figuren. Aktuell erforschen wir die Bedeutung von sogenannten „Sinnfluencern“ – Menschen, die im digitalen Bereich ihre spezifischen Projekte für Nachhaltigkeit präsentieren.

Können Sie uns einige Beispiele für lokale Helden nennen, die durch ihre besonderen Leistungen oder ihr Engagement herausragen?

Prof. Dr. Hans Mendl: Diese „Helden des Alltags“ sind auffällig unauffällig und meist auch sehr bescheiden, wenn sie darauf angesprochen werden, dass sie in einer Datenbank der „Local heroes“ sind: Sie engagieren sich bei der Tafel, bei der Flüchtlingshilfe, im Krankenhaus oder Hospiz, bei der Organspende oder bei generationenübergreifenden Projekten, sie sind mutig und zivilcouragiert, sie führen gemeinsam mit anderen kreative Nachbarschaftsprojekte durch.

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In meinem Buch „Helden wohnen nebenan“ beschreibe ich ca. fünfzig Personen ausführlicher und lade dazu ein, sich intensiver mit ihnen zu beschäftigen.

Helden des Alltags sorgen dafür, dass die Welt nicht aus den Fugen gerät!

Auf welche Weise kann die Anerkennung und öffentliche Würdigung von lokalen Helden einen positiven Einfluss auf das soziale Gefüge einer Gemeinschaft haben?

Prof. Dr. Hans Mendl: Wir wissen, dass Zivilgesellschaften dringend auf Helden des Alltags angewiesen sind; sie sind der gesellschaftliche Kitt, sie sorgen dafür, dass die Welt nicht aus den Fugen gerät! Ehrenamtliches Engagement müsste deshalb viel häufiger auch öffentlich wertgeschätzt und geehrt werden. Vor allem Kinder brauchen solche Leuchttürme, auf die sie aufschauen können. Von daher ist es zu begrüßen, dass Vereine und Organisationen wie die Feuerwehr, Naturschutzverbände und auch Kirchen Felder anbieten, in denen sich Kinder und Jugendliche engagieren können. 

Eine solche Aktion führt der Bund der Deutschen Katholischen Jugend auch in diesem Jahr wieder durch: Unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“ engagieren sich Jugendliche im April für 72 Stunden in ganz verschiedenen Aktionsfeldern vor Ort. Und nicht zu vergessen ist die Sternsingeraktion – die weltweit größte Aktion von Kindern für Kinder, bei der seit 1959 bereits über eine Milliarde Euro an Spendengeldern gesammelt und der Segen Gottes in die Häuser gebracht wurde.

Gibt es einen „Local Hero“, den Sie für seinen Einsatz besonders schätzen?

Prof. Dr. Hans Mendl: Ich könnte hier ganz viele einzelne Personen nennen, aber ich halte es lieber mit Romano Guardini, der einmal gesagt habe, der Heilige der Unscheinbarkeit mache nur das, „was von Mal zu Mal die Stunde von ihm verlangt“. Solche Menschen, die mit wachen Augen und Ohren durchs Leben gehen, bewundere ich!

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich…”

Prof. Dr. Hans Mendl: Gebet ist für mich Einklinken in die Wirklichkeit Gottes.

Ich danke für das Gespräch.

Von Prof. Dr. Hans Mendl wurden mehrere Bücher veröffentlicht (Auswahl): 
„Helden wohnen nebenan: Lernen an fremden Biografien“. Erschienen am 20.7.2020 im Matthias-Grünewald Verlag.
„Modelle – Vorbilder – Leitfiguren: Lernen an außergewöhnlichen Biografien“. Erschienen am 27.11.2014 im Kohlhammer Verlag.
„Helden auf Augenhöhe: Didaktische Anregungen zur Ausstellung und zur Datenbank ‚Local Heroes‘“. Erschienen am 1.8.2017 im Duschl Verlag.
„Franz von Assisi für junge Leute. Näher – tiefer – weiter“. Erschienen 2023 im Echter-Verlag

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