Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Damit ist eine Wohlstandsgesellschaft gemeint, in der viele Dinge nur kurze Zeit genutzt, dann entsorgt und schließlich durch neue ersetzt werden – obwohl sie oft noch funktionieren oder sich mit etwas Mühe reparieren ließen.
Allein das sollte uns nachdenklich machen. Denn hinter jedem Gegenstand stehen Rohstoffe, die unsere Erde über Jahrmillionen hervorgebracht hat. Hinter jedem Produkt stecken Energie, Arbeit und wertvolle Ressourcen. Vieles von dem, was wir heute achtlos wegwerfen, hätte vielleicht noch viele Jahre genutzt werden können.
In den vergangenen Jahren sind deshalb an vielen Orten sogenannte Repair-Cafés entstanden. Dort treffen sich Menschen, um defekte Geräte zu reparieren, statt sie vorschnell zu entsorgen. Ich finde diese Idee sympathisch. Nicht nur, weil sie Ressourcen schont, sondern weil sie eine Haltung ausdrückt: Nicht alles, was einen Defekt hat, gehört gleich auf den Müll.
Manchmal frage ich mich allerdings, ob wir diese Haltung im Umgang mit Menschen nicht ein Stück weit verloren haben.
Beziehungen brauchen Geduld
Auch zwischenmenschliche Beziehungen scheinen heute manchmal einer Wegwerfmentalität zu unterliegen. Natürlich gibt es Situationen, in denen eine Trennung der richtige oder sogar notwendige Weg ist. Das möchte ich gar nicht kleinreden.
Und dennoch habe ich den Eindruck, dass Beziehungen heute oft schneller infrage gestellt werden als früher. Hakt es ein oder zweimal, werden erste Zweifel laut. Kommen weitere Schwierigkeiten hinzu, scheint die Trennung manchmal näher zu liegen als das gemeinsame Ringen um eine Lösung. Manchmal genügt sogar die Begegnung mit einem anderen Menschen, der interessanter, spannender oder vielversprechender erscheint. Plötzlich wird das, was über Jahre gewachsen ist, zur Nebensache.
Natürlich weiß ich, dass keine Beziehung einfach ist. Wer lange mit einem Menschen zusammenlebt, erlebt nicht nur schöne Zeiten. Es gibt Missverständnisse, Enttäuschungen und Krisen. Es kostet Kraft, miteinander im Gespräch zu bleiben. Manchmal kostet es noch mehr Kraft, dem anderen zu vergeben oder selbst um Verzeihung zu bitten.
Aber vielleicht gehört genau das zu einer Beziehung dazu. Vielleicht zeigt sich ihre Tiefe gerade nicht daran, dass niemals Probleme auftreten, sondern daran, dass zwei Menschen bereit sind, gemeinsam an ihnen zu arbeiten.
Der Wert eines Menschen
Für mich bekommt dieser Gedanke durch den christlichen Glauben noch eine tiefere Dimension.
Die Bibel sagt, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist. Das ist ein ungeheuer großer Gedanke. Er bedeutet, dass der Wert des Menschen nicht davon abhängt, wie erfolgreich, attraktiv oder angenehm er gerade ist. Jeder Mensch besitzt eine Würde, die ihm niemand nehmen kann.
Vielleicht sollten wir uns das gerade dann in Erinnerung rufen, wenn Beziehungen schwierig werden. Denn Menschen sind keine Gegenstände. Sie lassen sich nicht einfach austauschen wie ein defektes Haushaltsgerät. Sie tragen Hoffnungen, Verletzungen, Erinnerungen und eine Geschichte in sich.Deshalb lohnt es sich oft, nicht vorschnell aufzugeben. Ein offenes Gespräch, ein ehrliches Eingeständnis eigener Fehler, ein begleitendes Gebet, das manchmal auch den Blick auf die eigene Haltung verändert, oder die Bereitschaft, dem anderen noch einmal zuzuhören, können mehr bewirken, als wir zunächst für möglich halten.
Nicht jede Beziehung lässt sich retten. Das wäre eine unrealistische Erwartung. Es gibt Situationen, in denen Trennungen unvermeidbar sind oder sogar schützen. Aber vielleicht sollten wir uns vorher ehrlich fragen, ob wir wirklich schon alles versucht haben. Denn wenn wir bereit sind, Zeit und Mühe in die Reparatur eines alten Radios, eines Toasters oder einer Kaffeemaschine zu investieren – sollte uns dann nicht erst recht der Mensch diese Mühe wert sein?
Vielleicht beginnt genau dort ein anderer Blick auf unsere Mitmenschen. Nicht als etwas Austauschbares. Sondern als Menschen, die – genau wie wir selbst – Ebenbilder Gottes sind.







