Der Ruf Gottes, der zu einem Leben im Kloster führte

Ruf Frater Dominicus

Frater Dominicus M. Armbruster wurde 1997 im deutschen Donaueschingen geboren und trat mit 22 Jahren in den Dominikanerorden ein. 2021 wechselte er vom damaligen Noviziatskonvent in Worms (heute in Vechta) nach Wien. Seitdem lebt er im Dominikanerkloster S. Maria Rotunda. Ich freue mich, dass er sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.

Auf der Website Ihres Ordens heißt es, dass Ihrem Entschluss, Theologie zu studieren, ein Berufungserlebnis vorausging. Können Sie uns darüber mehr erzählen?

Frater Dominicus: Gerne. Mein erstes Berufungserlebnis würde ich so beschreiben: Mit 18 Jahren habe ich beschlossen, einer inneren Unruhe nachzugehen, die mich schon länger begleitete. Darum bin ich damals in ein Kloster gegangen – zunächst einfach, um in der Stille zu hören, was Gott von mir will. Denn zu der Zeit konnte ich mir auch vorstellen, eine Familie zu gründen, Jura zu studieren und einen anderen Lebensweg einzuschlagen.

Doch die Woche im Kloster hat mich so bewegt, dass ich am letzten Tag mit dem Verantwortlichen für die Ausbildung sprach. Er sagte mir allerdings, dass ich wohl noch zu jung sei, um diesen Weg zu gehen. Mit diesem Gedanken bin ich nach Hause zurückgekehrt.

Am nächsten Tag aber habe ich die Tageslesung gelesen; das ist der Text, der weltweit an diesem Tag in jeder Messe verkündet wurde. Und das war die Berufungsgeschichte des Propheten Jeremia: „Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen; was ich dir auftrage, das sollst du verkünden.

Diese Worte trafen mich mitten ins Herz. Ich habe sie als persönliche Botschaft verstanden: Das gilt für dich. Das ist dein Ruf. Von diesem Moment an war für mich klar, dass ich diesen Weg gehen soll.

Was war der größte Unterschied zwischen Ihrem Leben vor dem Kloster und dem Leben im Kloster?

Frater Dominicus: Wenn ich ehrlich bin, besteht der größte Unterschied in der Profess, also in dem Versprechen, dieses Leben ganz bewusst führen zu wollen. 

Mein Weg ins Kloster erfolgte dann schrittweise: Schon während meines Theologiestudiums habe ich nach und nach mit Freunden das Stundengebet gebetet, bin täglich in die Messe gegangen und habe in einer studentischen Gemeinschaft gelebt.

Doch die Profess bedeutet: Ich binde mich an eine konkrete Gemeinschaft und verspreche, Christus auf eine bestimmte Weise nachzufolgen. Das ist wie ein Quantensprung. Natürlich ändert sich auch der Lebensort – vom studentischen Umfeld ins Kloster – aber entscheidend ist die Bindung und die neue geistliche Tiefe, die damit verbunden ist.

Wie erleben Sie die Gemeinschaft mit den anderen Brüdern, und was bedeutet Ihnen das gemeinsame Gebet?

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Frater Dominicus: Die Gemeinschaft erlebe ich als sehr bereichernd. Es ist spannend zu sehen, mit welchen Lebenswegen die Brüder eintreten: Manche direkt nach dem Abitur, andere nach vielen Jahren in verschiedenen Berufen. In Wien leben wir derzeit mit zwölf Brüdern – vom ältesten mit 85 Jahren bis zum jüngsten, der ein Jahr jünger ist als ich. Diese Vielfalt macht unser Miteinander lebendig.

Ich habe während meines Studiums in den USA erlebt, dass man sich dort unter Ordensleuten oft mit Brother ansprach. Genau so empfinde ich es auch: Wir sind eine Bruderschaft, die einander stützt, trägt und füreinander da ist.

Besonders spürbar wird das im gemeinsamen Gebet. Für mich war es wichtig, einer Gemeinschaft anzugehören, in der gemeinsam gebetet wird. Das Stundengebet ist ein Auftrag an uns und wenn man es allein verrichtet, kann es Gefahr laufen, nur noch „daher gesagt“ zu werden. Im gemeinsamen Gebet hingegen spüre ich dagegen Gewicht, Feierlichkeit und gegenseitige Unterstützung.

Sie betonen, dass es Ihnen wichtig ist, die Freude weiterzugeben, die Sie im Leben mit Gott erfahren. Was ist das für eine Freude? Und kann sie auch junge Menschen ansprechen?

Frater Dominicus: Die größte Freude ist für mich die Gewissheit, dass da immer jemand ist, der mich liebt, versteht, dem ich alles anvertrauen kann – und der die Macht hat, auch Schweres zu einem guten Ende zu führen.

Das gibt mir ein tiefes Vertrauen: Was auch kommt, mein Leben ist in Gottes Hand und hat Sinn – gerade auch in schwierigen Zeiten. Diese Erfahrung erfüllt mich mit Frieden und tiefer Freude.

Ich glaube, dass das auch für junge Menschen heute sehr wichtig sein kann. Viele kämpfen mit Einsamkeit oder Identitätsfragen. Wer aber erfährt: Ich bin geliebt, so wie ich bin, ich bin niemals allein, der hat ein tragendes Fundament.

Für mich persönlich ist das eine Quelle der Freude und Gelassenheit. Andere haben mir schon öfter gesagt, dass man mir diese Freude an Gott ansieht – und das empfinde ich als großes Geschenk.

Frage: Wie würden Sie den Satz fortsetzen: „Gebet ist für mich …“?

Frater Dominicus: Gebet ist für mich ein Elixier, mein Lebenssaft. Ohne Gebet, ohne die Beziehung zu Gott könnte ich nicht leben.

(Hinweis: Die Bildrechte liegen bei fr. Adam Rokosz OP)

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