Seit fast genau fünf Jahren bete ich für Menschen, denen das Beten schwerfällt – aus welchen Gründen auch immer. Ich habe nie jemanden gefragt, warum er oder sie sich mit einem Anliegen an mich wendet. Und doch spüre ich in vielen Nachrichten eine ähnliche Sehnsucht: Manche haben mit Kirche und Glauben schon lange nichts mehr zu tun, greifen aber in einer Notlage nach dem einen Strohhalm, der ihnen noch bleibt. Andere schreiben mir, weil sie daran glauben, dass Gebete stärker werden, wenn mehrere dafür einstehen.
Die Gründe, weshalb mich jemand kontaktiert, spielen für mich letztlich keine Rolle. Ich lege jedes Anliegen in Gottes Hände, ohne Gewichtung und ohne Bewertung.
Ein fester Rhythmus des Betens
Woche für Woche sammle ich alle eingehenden Gebetswünsche und mache mich an einem festen Tag auf den Weg in eine Kirche. Natürlich könnte ich überall beten: zu Hause, unterwegs, mitten im Alltag. Aber Kirchenräume helfen mir, innerlich still zu werden. Sie geben den Anliegen einen Raum, der größer ist als meine eigenen Gedanken.
Wenn ich dort angekommen bin, spreche ich nacheinander die vorbereiteten Gebete und zünde für jede Person eine Kerze an. Danach fotografiere ich das kleine Licht und sende es zusammen mit dem Gebetstext zurück an den Menschen, der mir geschrieben hat.
Die Kraft der Rückmeldungen
Was mich immer wieder überrascht, ist die Resonanz. Viele antworten mit einem einfachen, aber warmen Dank. Andere schreiben mir, wie sehr sie bewegt waren, weil das Gebet genau die Worte gefunden hat, die ihnen selbst fehlten. Manchmal öffnet mir jemand ein Stück seines Herzens und erzählt, was dieses Gebet in ihm oder ihr ausgelöst hat. Und hin und wieder – das sind für mich ganz besondere Momente – bekomme ich die Nachricht, dass sich etwas zum Guten gewendet hat.
Jede Rückmeldung bedeutet mir viel. Sie zeigt mir, dass dieser Dienst nicht selbstverständlich ist, aber notwendig. Und dass Gott Wege gehen kann, die größer sind als das, was ich tue.
Ein Dank, das mir unvergesslich bleibt
Ein Dankeschön hat mich besonders berührt. So sehr, dass ich es nie vergessen werde. Die betreffende Person beschrieb, welches innere Bild sich beim Beten plötzlich vor ihr auftat. Sinngemäß schrieb sie:
„Ich hatte plötzlich ein inneres Bild vor meinem Auge: Ich als kleines Mädchen, froh gelaunt, hüpfend in der Natur, barfuß unter einer hellen Wolke, allein und glücklich. Mit einem Gefühl von: Jemand kümmert sich um mich! Ich muss nicht alles allein bewältigen. Irgendwie wird es schon gut werden. Dieses Gefühl hatte ich noch nie in meinem Leben.“
Solche Rückmeldungen sind für mich Geschenke. Sie zeigen mir, dass ein Gebet mehr sein kann als Worte – manchmal wird es zu einem Licht im Herzen eines Menschen.








