Bruder Äneas Opitek: Franziskaner helfen!

Br. Äneas Opitek Franziskaner helfen

Pater Äneas Opitek OFM ist Ansprechpartner beim Hilfswerk „Franziskaner Helfen“. Dank der vielfältigen Unterstützung durch zahlreiche Spender und Spenderinnen können weltweit soziale, humanitäre, pastorale und ökologische Projekte unterstützt und die Hilfe zur Selbsthilfe in von Armut und Krieg zerrütteten Gebieten gefördert werden.

Ich freue mich, dass Bruder Äneas Opitek sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.

Bruder Äneas Opitek, wenn jemand noch nie von „Franziskaner Helfen“ gehört hat: Was sollte er oder sie unbedingt über Ihre Arbeit wissen?

Bruder Äneas: „Franziskaner Helfen“ ist das internationale Hilfswerk der Franziskaner. Es wurde vor 55 Jahren gegründet und unterstützt heute Projekte in rund 90 Ländern weltweit.

Unser Ziel ist es, Menschen in Not zu helfen und dabei die Würde jedes Einzelnen zu achten. Menschlichkeit, Respekt und Würde stehen für uns an erster Stelle. Herkunft, Religion oder Hautfarbe spielen dabei keine Rolle. Jeder Mensch hat ein Recht auf ein gutes Leben.

Was unterscheidet „Franziskaner Helfen“ aus Ihrer Sicht von vielen anderen Hilfsorganisationen?

Bruder Äneas: Unsere besondere Stärke ist das weltweite franziskanische Netzwerk. Die Projekte entstehen nicht in Deutschland, sondern werden von unseren Schwestern und Brüdern vor Ort angestoßen. Sie leben mit den Menschen, kennen ihre Bedürfnisse und wissen am besten, welche Hilfe gebraucht wird.

Dadurch haben wir großes Vertrauen in unsere Projektpartner. Sie sind unsere Expertinnen und Experten vor Ort. Wir müssen keine Mitarbeiter aus Deutschland entsenden, um Situationen zu beurteilen, sondern können auf Menschen bauen, die seit vielen Jahren in den jeweiligen Regionen verwurzelt sind.

Ein weiterer besonderer Weg entstand vor etwa 16 Jahren. Damals haben wir uns gefragt, wie wir Geld ethisch sinnvoll anlegen können. Gemeinsam mit Fachleuten entstand daraus ein eigener nachhaltiger Investmentfonds. Menschen können dort ihr Geld anlegen und erhalten eine Rendite. Gleichzeitig fließt ein Teil der Erträge in unsere Hilfsprojekte. So verbindet sich verantwortungsvolles Investieren mit konkreter Hilfe für Menschen in Not.

Gibt es ein Projekt oder eine Geschichte aus Ihrer Arbeit, die besonders gut zeigt, worum es bei „Franziskaner Helfen“ im Kern geht?

Bruder Äneas: Unsere Schwerpunkte liegen vor allem in der Bildungsarbeit, denn Bildung bedeutet Zukunft. Daneben unterstützen wir medizinische Projekte, Umweltprojekte sowie die Katastrophen- und Nothilfe.

Ein Beispiel, das mich immer wieder beeindruckt, sind unsere Wasserprojekte in Afrika. Wenn dort ein Brunnen gebaut wird, verändert sich das Leben vieler Menschen innerhalb weniger Tage grundlegend. Nach den Voruntersuchungen werden die Bohrungen durchgeführt, Leitungen verlegt und Pumpen installiert – oft mit Solarenergie betrieben.

Nach wenigen Tagen haben drei- bis fünftausend Menschen Zugang zu sauberem Wasser. Für viele Gemeinden bedeutet das eine enorme Verbesserung der Lebensqualität – und das oft für viele Jahre. Wer einmal erlebt hat, wie kostbar sauberes Wasser in manchen Regionen der Welt ist, versteht die Bedeutung solcher Projekte sofort.

Ebenso wichtig sind unsere Bildungsprojekte. In Äthiopien konnten wir gemeinsam mit Partnerorganisationen mehrere große Schulprojekte verwirklichen. Dabei arbeiten wir oft mit staatlichen und kirchlichen Partnern zusammen.

Was mich bei all diesen Projekten besonders bewegt, sind die Menschen. Als Franziskaner wollen wir niemanden ausgrenzen, sondern Menschen begegnen, zuhören und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Das entspricht dem Geist des heiligen Franziskus.

Wie können Sie solche riesigen Projekte überhaupt finanziell stemmen?

Bruder Äneas: Um unsere Projekte zu ermöglichen, sammeln wir Spenden auf ganz unterschiedliche Weise – durch klassische Spendenbriefe, Online-Fundraising und verschiedene Kampagnen. Dabei möchten wir Menschen zeigen, dass auch kleine Beiträge Großes bewirken können.

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Viele fragen sich, was man mit fünf Euro im Monat überhaupt erreichen kann. Unsere Erfahrung zeigt: sehr viel. In Brasilien können wir beispielsweise einem Kind für wenige Cent am Tag Bildung, eine tägliche Mahlzeit und Schutz ermöglichen. Wenn viele Menschen gemeinsam einen kleinen Beitrag leisten, entstehen daraus Projekte, die das Leben vieler Menschen nachhaltig verändern.

Viele Menschen haben ein distanziertes Verhältnis zur Kirche, engagieren sich aber trotzdem sozial. Wie gelingt es Ihnen, diese Menschen zu erreichen?

Bruder Äneas: Der heilige Franziskus sagte einmal: „Verkündet das Evangelium, und wenn es nötig ist, auch mit Worten.“

Viele Menschen möchten heute sehen, dass Hilfe konkret wirkt. Deshalb zeigen wir unsere Projekte und ihre Ergebnisse. Natürlich nutzen wir dafür auch moderne Kommunikationswege wie unsere Homepage, Instagram oder Facebook.

Unter unseren Spenderinnen und Spendern sind viele Menschen, die keiner Kirche angehören oder aus der Kirche ausgetreten sind. Dennoch unterstützen sie unsere Arbeit, weil sie sich mit unseren Projekten identifizieren können.

Ein gutes Beispiel ist unsere Arbeit in Syrien. Dort unterstützen wir unter anderem eine große Suppenküche. Die Menschen, die dort Hilfe erhalten, sind überwiegend Muslime. Deshalb haben wir auch muslimische Spenderinnen und Spender, die unsere Arbeit unterstützen, weil sie sehen, dass wir Menschen unabhängig von ihrer Religion helfen.

Unser Ansatz ist einfach: Wir engagieren uns zuerst für die Menschlichkeit. Das ist unser franziskanischer Weg.

Zu deren Wegen gehört offenbar auch die aktuelle Pizzakarton-Aktion in Bonn. Was verbirgt sich hinter dieser Aktion und wie kam es dazu?

Bruder Äneas: Mit dieser Aktion möchten wir Menschen dort erreichen, wo sie ihren Alltag verbringen. Auf den Pizzakartons befindet sich ein QR-Code, über den man direkt auf unsere Homepage und zu unseren Projekten gelangt.

Viele Menschen möchten helfen, wissen aber zunächst wenig über unsere Arbeit. Durch die Aktion werden sie auf uns aufmerksam und können sich unkompliziert informieren.

Der Gedanke dahinter ist ganz einfach: Pizza gehört für viele Menschen zum Alltag. Warum also nicht genau dort einen Impuls setzen? In Bonn beteiligen sich derzeit mehrere Pizzerien an der Aktion.

Vielleicht scannt jemand beim Essen den QR-Code, entdeckt unsere Projekte und beschäftigt sich zum ersten Mal mit unserer Arbeit. Vielleicht entsteht daraus eine Spende. Vielleicht erzählt die Person aber auch Freunden oder der Familie davon. So entstehen neue Netzwerke und neue Möglichkeiten, Menschen zu erreichen.

Jeder Euro zählt, und deshalb versuchen wir immer wieder neue Wege zu finden, um auf unsere franziskanische Arbeit aufmerksam zu machen.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? „Gebet ist für mich …“

Bruder Äneas: Gebet ist für mich die Quelle des Lebens. Es trägt mich durch gute und schwere Zeiten und schenkt mir Kraft.

Zugleich ist Gebet für mich die Begegnung mit Jesus Christus, bei dem ich zu Hause bin.

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