Ich suchte den Gottesfunken

Birgit Wolandt-Pfeiffer

Frau Birgit Wolandt-Pfeiffer ist Benediktineroblatin des Klosters Nütschau in der Nähe von Hamburg. Sie hat in ihrer Heimat-Pfarrgemeinde einen Laudes-Gebetskreis gegründet. Ich freue mich, dass ich ihr die folgenden Fragen stellen durfte:

Frau Wolandt-Pfeiffer, ich habe Sie als Oblatin des Benediktinerordens vorgestellt. Können Sie uns bitte erklären, was sich hinter dieser für viele Menschen sicher seltsam anmutenden Bezeichnung verbirgt?

Frau Wolandt-Pfeiffer: Das Wort “Oblate” klingt wirklich etwas sonderbar. Meine Tochter denkt dabei zunächst an eine Backzutat, wie sie sagt. Das Wort leitet sich ab vom Lateinischen “offere”, meist übersetzt als “darbringen” oder “geopfert werden”. Das hebräische Wort für “Opfer” bedeutet allerdings “nahe kommen”, und sagt so viel besser aus, worum es geht, wenn jemand Oblatin oder Oblate eines benediktinischen Klosters wird: Sie oder er möchte damit das eigene Leben Gott nahebringen.

Praktisch tue ich dies, indem ich mich an das Kloster binde und mich verpflichte, in der Nachfolge Christi und im Geist der Regel des heiligen Benedikt zu leben, allerdings nicht im Kloster, sondern bei mir zu Hause. Diese Regel des heiligen Benedikt, nach der alle Benediktiner/-innen leben, hilft mir dabei, mein Versprechen zu erfüllen.

In Ihrer Heimat-Pfarrgemeinde St. Bonifatius in Hamburg-Eimsbüttel haben Sie vor etwa zwei Jahren einen Laudes-Gebetskreis gegründet. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Frau Wolandt-Pfeiffer: Die Laudes, auf Deutsch “Morgenlob”, ist ein Teil des Stundengebetes, das den Tag in Tageszeiten einteilt und immer wieder zur Ruhe in Gott zurückführt, auch dann, wenn der Arbeitsalltag anstrengend ist. Vor etwa dreieinhalb Jahren habe ich mit einer anderen Frau aus unserer Gemeinde einfach damit begonnen, morgens um halb sieben im Schein der Kerzen, Gott für das Geschenk eines neuen Tages zu danken. Denn eigentlich ist ja alles Geschenk: Das Aufwachen am Morgen, die Familie, die Freunde, die Gesundheit, das sichere Ein- oder zumindest das Auskommen, das Zuhause – ja, das ganze Leben. Es ist doch eine Illusion zu denken, das alles habe man sich selbst erarbeitet.

Brennende Kerze bei Laudes
Laudes im Schein der Kerze

In den Laudes singen wir die Psalmen als Dienst für alle Menschen, wir sprechen Fürbitten und bitten zum Schluss um Gottes Segen für das, was wir am Tag vorhaben. Zu zweit haben wir begonnen, nun sind wir schon zu fünft.

Inwieweit hat das gemeinsame Gebet am frühen Morgen Ihren Alltag verändert?

Frau Wolandt-Pfeiffer: Das kann ich gar nicht so genau erklären. Vielleicht so:  Das Stundengebet – auch das Mittagsgebet, die Vesper und die Komplet – geben meinem Leben Ruhe und Halt. Es strukturiert den Tag und verdeutlicht, dass nichts dem Leben für Gott vorzuziehen ist.

Ich weiß, dass es in Ihrem Leben eine Zeit gab, in der Sie nichts mit Kirche und Gebet zu tun hatten. Wie war es möglich, Ihren Draht zu Gott wieder zu knüpfen?

Frau Wolandt-Pfeiffer: Ich bin sehnsüchtig geworden nach Gott. Der Anfang war so unscheinbar wie unvermutet: Ich sah einen Film über sehr gläubige Juden und sah plötzlich ein, dass diese Menschen sich bemühen, die Liebe zu ihrem Partner als Liebe zu Gott zu leben. Es schien mir, sie blicken nicht in Liebe auf ihr Gegenüber, sondern suchen in diesem Gott, suchten den Gottesfunken, den wir alle in uns tragen. Als ich das verstand, begann mein eigenes Suchen: Das Herzensgebet, Meditation – alles was ich tat, machte mich noch sehnsüchtiger nach Gott. Und so ist es bis heute.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich…”

Frau Wolandt-Pfeiffer: Gebet ist für mich immer anders, immer neu. Nur diese Sehnsucht bleibt.

Ich danke für das Gespräch.

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