Digitale Kirche mit Wirkung: Was BASIS:KIRCHE so erfolgreich macht

Lukas Schienke BASIS:KIRCHE

Lukas Schienke ist als Chefredakteur verantwortlich für den YouTube-Kanal „BASIS:KIRCHE“. Bei diesem Kanal handelt es sich um eine Kooperation von der Evangelischer Kirchenfunk Niedersachsen-Bremen GmbH (ekn) und dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) gGmbH, dem bundesweiten Medienunternehmen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ich freue mich, dass Herr Schienke sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.

Herr Schienke, welche Vision verfolgen Sie mit BASIS:KIRCHE, und wie unterscheidet sich Ihr Kanal von klassischen kirchlichen Medienformaten?

Lukas Schienke: Mit BASIS:KIRCHE möchten wir Menschen ansprechen, die Kirche nicht mehr so auf dem Schirm haben. Gerade jüngere Menschen, die viel Zeit im Digitalen und mit Unterhaltung verbringen – darunter übrigens auch Kirchenmitglieder – werden von der klassischen kirchlichen Kommunikation kaum noch erreicht.

Durch alltagsrelevante Themen zeigen wir bei BASIS:KIRCHE: Kirche ist viel mehr als nur bestehende Stereotype und kann diesen Menschen einen echten Mehrwert für ihren Alltag bieten. Unsere Creator, Pastorinnen und Pastoren, die als Reporter durch die Videos führen, sind neugierig und aufgeschlossen.

So schaffen wir eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit kirchlichen Themen, indem wir die Zuschauenden dort abholen, wo sie sind: sonntagsmorgens vor dem Fernseher bei Sat.1 oder jederzeit auf YouTube. Damit das funktioniert, braucht es viel Know-how in Sachen Storytelling und Social-Media-Algorithmen.

In Ihrer Kanalbeschreibung heißt es unter anderem: „raus aus der Kirche, rein ins Leben“. Was bedeutet das konkret für die Themenauswahl und die Machart Ihrer Videos?

Lukas Schienke: Zuerst einmal bedeutet das, dass wir dort präsent sind, wo die jungen Menschen heute unterwegs sind: in den Social-Media-Netzwerken und bei den Streaming-Anbietern. Das sind für uns vor allem YouTube, TikTok und auch Instagram. Und das beeinflusst dann natürlich unsere Themenauswahl und die Art der Produktion.

Wir verlassen uns dabei nicht nur auf unser Bauchgefühl, sondern beauftragen regelmäßig Marktforschungsunternehmen. Dadurch wissen wir, welche Themen für unsere Zielgruppe(n) funktionieren. So haben sich zum Beispiel Alltagsthemen mit ungewöhnlichen Einblicken bewährt.

Auch Reportagen, die sich um Themen wie Gesundheit, Mental Health oder Wendepunkte im Leben drehen, haben sehr hohe Aufrufzahlen. All das sind interessanterweise Themen, die auch und oft im kirchlich-diakonischen Kontext bearbeitet werden.

Die Evangelische Kirche in Deutschland steckt hinter BASIS:KIRCHE. Wie wirkt sich diese Kooperation auf den Kanal allgemein und im engeren Sinne auf die Themenauswahl aus? 

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Lukas Schienke: Die Verantwortlichen im GEP und bei der EKD lassen uns ziemlich viel Spielraum, da die Expertise bei dem empfängerorientierten Storytelling und der Produktion bei uns liegt. Es gibt einen regelmäßigen und engen Austausch. Eigentlich freuen sich alle Beteiligten, dass dieses Projekt so gut läuft. 

Welche Chancen sehen Sie für die Kirche, wenn sie sich stärker auf Plattformen wie YouTube bewegt?

Lukas Schienke: Ich halte es grundsätzlich für absolut notwendig, dass Kirche auf diesen Plattformen aktiv wird. YouTube, TikTok und Co. erreichen unglaublich viele Menschen, und wenn die Kirche mit ihren Themen relevant bleiben will, muss sie dort sein, wo diese Menschen erreicht werden.

Das bedeutet aber leider auch, dass die Kirche lernen muss, wie diese Plattformen ticken. Um erfolgreich zu sein, hohe Aufrufzahlen und eine lange Verweildauer zu generieren, um wohlmöglich eine Community aufzubauen, braucht es einen langen Atem, eine kluge Strategie und eine professionelle Bespielung.

All das kostet natürlich Ressourcen. Aber ich bin mir sicher: Es lohnt sich! Denn durch die Kommentare und die Nachrichten unserer User wissen wir, dass es einen riesengroßen Bedarf nach Austausch, Beratung und sogar Seelsorge im digitalen Raum gibt. Und da hat Kirche doch eine besondere Kompetenz und vielleicht sogar auch ein Alleinstellungsmerkmal. Auf jeden Fall gibt es da noch viel zu tun – aber auch viel zu erreichen.

Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen: „Gebet bedeutet für mich …“

Lukas Schienke: Gebet bedeutet für mich: zur Ruhe zu kommen. Es bedeutet, mich in (über-)fordernden Situationen mit vertrauten Worten in Sicherheit zu wissen und zu spüren, dass ich nicht alles allein regeln muss und auch abgeben kann.

Ich danke für das Gespräch.

(Hinweis zu dem verwendeten Foto von Lukas Schienke: Die Bildrechte liegen bei Clemens Beckmann.)

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