Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) ist die älteste und größte Bürgerrechts- und Patientenschutzorganisation in Deutschland und setzt sich seit 1980 für die Selbstbestimmung am Lebensende ein. Dieses Anliegen unterstützt sie unter anderem durch die Vermittlung einer ärztlichen Freitodbegleitung (assistierter Suizid), einer rechtssicheren Patientenverfügung und weiteren Angeboten.
Ich freue mich, dass Frau Wetzel sich als Pressesprecherin der DGHS die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten.
Frau Wetzel, aus humanistischer Sicht steht die Selbstbestimmung des Menschen auch an seinem Lebensende im Zentrum. Wie definiert die DGHS Menschenwürde am Lebensende – und wo sehen Sie mögliche Grenzen dieser Selbstbestimmung?
Wega Wetzel: Die DGHS setzt sich ein für die Wahrung des Selbstbestimmungsrechts am Lebensende. Der sterbewillige Patient muss die Wahlfreiheit für alle zulässigen Formen der Sterbehilfe einschließlich des eigenverantwortlichen Suizids mit Unterstützung anderer behalten. Allerdings darf kein Arzt oder eine vergleichbare Person zur Suizidhilfe verpflichtet oder gedrängt werden.
In der christlichen Theologie gilt das Leben als Gabe Gottes, nicht als verfügbares Eigentum. Wie gehen Sie mit diesem Gedanken in Gesprächen mit gläubigen Menschen um, die dennoch einen assistierten Suizid in Erwägung ziehen?
Wega Wetzel: Die DGHS ist dem Gedanken des Humanismus und der Aufklärung verpflichtet. Wir denken, dass es zur Selbstbestimmung des Einzelnen gehört, über das eigene Leben verfügen zu dürfen und nach reiflicher Überlegung das Geschenk des Lebens zurückgeben zu dürfen. Wir respektieren natürlich, dass gläubige Menschen dies anders sehen.
Dennoch werben wir dafür, dass sie es akzeptieren können, wenn ein ihnen nahestehender Mensch den Weg der Sterbehilfe gehen möchte. Wenn ein gläubiger Mensch den assistierten Suizid für sich selbst in Erwägung zieht, ist es dessen allerpersönlichste Überlegung, die wir nicht zu bewerten haben. Entscheidend für uns sind die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, nämlich dass die Freiverantwortlichkeit der Entscheidung zweifelsfrei gegeben sein muss und mögliche Alternativen, z. B. palliative Versorgung, bedacht wurden.
Das Thema assistierter Suizid polarisiert stark zwischen säkular-humanistischen und religiösen Positionen. Wo sehen Sie gemeinsame ethische Grundlagen, auf denen ein echter Dialog möglich ist?
Wega Wetzel: Gemeinsame Grundlagen sind sicherlich das Verständnis von Menschenwürde und Respekt vor dem Mitmenschen. Man muss den assistieren Suizid nicht gutheißen, aber wir werben dafür, dass er eine von diversen möglichen Optionen am Lebensende sein darf, um Menschen in ihrer letzten Lebensphase beizustehen.
Kritiker befürchten, dass sich alte, kranke oder einsame Menschen für den Tod entscheiden, nicht weil sie wirklich sterben wollen, sondern weil sie sich als Belastung für andere empfinden. Wie stellt die DGHS sicher, dass ein Sterbewunsch nicht aus Schuldgefühlen, Scham oder sozialem Druck entsteht, sondern aus einer tatsächlich freien Entscheidung?
Wega Wetzel: Die DGHS macht eher die Erfahrung, dass es die Familie und die erwachsenen Kinder sind, die ihre alten Eltern nicht gehen lassen wollen. Wenn sich alte oder einsame Menschen als Belastung für andere empfinden sollten, ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, diesen Menschen ihre Würde und ihren Platz in der Gesellschaft wieder zu ermöglichen.
Wie würden Sie den folgenden Satz fortsetzen? “Gebet ist für mich …”
Wega Wetzel: Gebet ist für mich ein kurzer Moment der inneren Einkehr.
Ich danke für das Gespräch.








