Angedacht

Heinz Frantzmann

Heinz Frantzmann, Pfarrer im Ruhestand

Heinz Frantzmann war als evangelischer Pfarrer in Düsseldorf tätig, in der Kirchengemeinde Düsseldorf-Eller und bei der Diakonie. Im Jahr 2019 wurde er in den Ruhestand verabschiedet.

Ich freue mich, dass sich Herr Frantzmann bereit erklärt hat, die Kolumne “Angedacht” zu schreiben. Die monatlich erscheinenden Beiträge verstehen sich als Denkanstöße.

Angedacht: Die Seele (1/3)

Es gibt ein Wort in unserer Sprache, das ich auf keinen Fall missen möchte: Seele. Es hat etwas Zartes. Klingt einfach und zugleich komplex.

Wie geht es Ihrer Seele heute? Hoffentlich gut, beschwingt und leicht. Wie auch immer ihre Seele gestimmt ist, hier ist sie willkommen.

In unserer Sprache ist sie ganz selbstverständlich zu Hause. Auch wenn sie schwer zu beschreiben oder zu begreifen ist, kommt das Wort Seele recht häufig vor.

Wenn wir uns etwas von der Seele reden, oder etwas auf ihr liegt. Es tut einem in der Seele weh oder wir lassen die Seele baumeln. Unter all dem verstehen wir sofort etwas. Wir sprechen von der Seele als wäre sie so etwas wie unsere Innenausstattung.

Was unsere Seele ausmacht, wie es ihr geht und wie sie sich aufrichten lässt oder wie sie strahlt danach fragen Romane- und Gedichte, Gebete und Lieder.

Eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration ist die Bibel, ein Glaubens – und Hoffnungsbuch.
Vor allem ein Seelendokument. Biblische Geschichten spielen in diesem Innenraum, in dem Menschen einander, sich selbst und Gott begegnen. Jesus hat den Ruf ein Wunderheiler zu sein. Wenn jemand ihn fragt, fragt er zurück: was ist die Krankheit, was sucht dieser Mensch und wie sucht er. Jesus heilt durch Gesten und Worte, durch Berührung, durch Glauben. Heute würden wir sagen: Er weckt die Selbstheilungskräfte im Menschen.

Er geht in Kontakt mit dem Innenraum, wo Glaube, Hoffnung und Liebe wohnen oder Verzweiflung und Angst.
Und es gibt tatsächlich Worte in der Bibel, die Kraft haben. Die Kraft, etwas zu verändern, indem sie mir etwas erschließen, klarmachen, mir Hoffnung geben und Aussichten eröffnen. Worte, die meine Seele ergreifen, besänftigen, gesunden lassen.

Solche mächtigen Worte sind es, die wir wie einen Schatz in der Bibel und unserer Tradition haben. “Bittet, so wird Euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden, klopfet an, so wird Euch aufgetan.” Es gibt auch hier keine Zauberei. Aber es gibt Möglichkeiten, es öffnet der Seele Räume. Und mit und ohne Übung sagen wir vielleicht am Ende des Tages: “Der Herr war mein Hirte. Er hat meine Seele erquickt und mich zum frischen Wasser geführt.” (Psalm 23)